Book traders

Some book traders have a mission. They assemble little corners on their book shelves or in tiny cupboards reserved for their passion or mission. In some book shops you’ll find a corner devoted to a specific language or translations, in some a world region is represented as a specific predilection. The choises are as numerous as there are books. Of course, from an economic point of view national and international bestsellers will be shown in the most prominent places. Second come books for children, cooking, life and travel guides. All those are the cash cows for book shops and traders.
But beyond those, it is always worth the effort to search for those little carefully curated corners in a good bookstore that derive from the vision or mission of the book trader, employed or owning the shop. In some areas this contributes even to a small community building. Readings of authors add to the function of book sellers to build a relationship to their non-random book buyers. I keep going back to my favourite book stores and libraries with those curated corners for decades and across countries to find inspiration and updating of special topics.
There is a danger that we are going to lose all this professional work of thousands of well-trained book traders that guide readers in addition to publishing houses, literary critics, numerous awards and huge marketing campaigns of derived products (as with Harry Potter). Living up to your mission while running a book store must be a great experience. If is really increases the buyers and readership for the topic, would be a great result. However, I suppose many bookshops manage to keep their little curated areas despite economic pressure to go with the mainstream marketing campaigns and top selling books and gadgets.
With the decline in the number of smaller book shops (in Germany from ca 5000 to 3000 in about 20 years) we see a parallel increase in number of franchises of the big book sellers (Thalia.de 500 stores in D). Big chain increase seems to cause fewer professionally trained book traders (-10% in D) within a country. For younger generations TikTok (BookTok) has taken over large parts of the “book counselling” of book traders previously. This was a big event at the Frankfurt Book Fair 2023 as well.
Time to rush to your local bookstore and book trader before it is taken over by a big chain or simply disappearing silently. We are likely to lose many of those book traders with a mission to make this world a better, more beautiful, more tasty, enjoyable or inclusive place.

Comme les peintres

« Moi aussi, comme les peintres, j’ai mes modèles ». So beginnt ein Gedicht von Jacques Prévert. Ein Klassiker der französischen Poesie. Prosagedichte sind eine Gattung der Gedichte, die in kurzen Texten einen Moment oder Augenblick einfangen und sublimieren. In diesem Genre publiziert Philippe Delerm seit Jahren prosaische Gedichte. Der in 2023 erschienene Band „Les instants suspendus“ reiht sich ein in die Sammlungen von Momentaufnahmen, die sprachlich veredelt die Wahrnehmungen schärfen und sie zum Salz des Lebens werden lassen.
Für Weinliebhabende drängt sich die Assoziation „vendanges tardives“ (späte Lese) auf. Während wir in deutschen Weinanbaugebieten ganz nüchtern die zu erreichenden Öchsle für die Spätlese zählen, verbindet Delerm mit den „vendanges tardives“ „une jeunesse prolongée, glissant vers la mélancolie, et célébrant mezza voce le mariage de l’automne et de l’été “. (2023, S.87).
Die Sammlung „Les instants suspendus“ – auf Deutsch vielleicht „Momente, die schweben“ bietet zahlreiche, aufheiternde und, ja auch erhebende Augenblicke, die trotz der Intensität der Schilderung für viele Menschen Anknüpfungspunkte bieten. Übersetzen lassen sich die Szenen schon, aber es schwingt bei den kurzen 200-300 Wörter umfassenden Texten viel französisches Flair mit.
Bei „Commander l’eau“ wird „Le bruit de l’eau dans la bouteille devient chant“. Wasser einfüllen ist Musik. Oder, « Le moteur de la deux-chevaux », der Motor des 2 CV, « c’était humble et c’est devenu chic », das war bescheiden und ist schick geworden. (S.82). Das federnde, schwebende Fahrgefühl wird bei Delerm ein „accord prolongé“, zu einem nachwirkenden, verlängerten Akkord.
Aus dem Netz der Spinne (toile d’araignée) wird der Stern der Spinne (étoile d’araignée) auf Seite 101. Fast alle hätten diesen Versprecher schon gemacht, aber es ist einer der Wenigen, den die Erwachsenen nicht berichtigen.
Lassen wir den Kindern ihre „instants suspendus“, ihre Momente der Poesie.
(Image: Innenansicht und S.9 Anregung Proust zu lesen im Vorspann).

Gespenster

Passend zu dem alljährlichen Hype und Kommerz zu Halloween Ende Oktober, öffnet die Sonderausstellung zu Otfried Preußlers 100. Geburtstag. „Die kleine Hexe“, Das kleine Gespenst“, „Der Räuber Hotzenplotz“ oder seine deutsche Übersetzung des Kater Mikesch haben mehrere Generationen von Kindern und Eltern begleitet. Fantastische Geschichten haben bereits seit langer Zeit Kinder begeistert. Eine gute Hexe und ein liebenswürdiger, eigentlich ungefährlicher Räuber passen in die kindliche Vorstellungswelt. Lange vor dem Spektakel um die Meerjungfrauen, hatte Otfried Preußler den kleinen Wassermann erstehen lassen. Diese Geschichten machten Otfried Preußler zu dem erfolgreichsten deutschsprachigen Geschichtenerzähler nicht nur für Kinder. Ein Glück, dass der Nachlass seit ça 10 Jahren in der Stabi Berlin aufbewahrt wird. Es hat sich bereits ein reges Besucherinteresse eingestellt, denn die Bilder zu den Geschichten haben sich tief in das Gedächtnis von Kindern und Eltern eingegraben.
Die vielfältig zusammengestellte Ausstellung bietet abwechslungsreiches, unterhaltsames und hintergründiges Material, um den Werdegang und Schaffensprozess des Schriftstellers zu verdeutlichen. Die liebenswerten Figuren der bekanntesten Werke wurden in viele Sprachen übersetzt. Verwertungen von der Augsburger Puppenkiste bis zu den Fernseh- und Kinofilmen in späteren Jahren haben die Geschichten mit ihren liebenswerten Charakteren ein bleibendes Kulturgut werden lassen. Mit den dunkleren Kapiteln seiner Vergangenheit hat er sich ebenfalls in seiner Geschichte „Krabat“ auseinandergesetzt, die jedoch viel weniger bekannt ist. Das Verdienst dieser Ausstellung ist jenseits der emotionalen Verbindung zu den Geschichten Otfried Preußlers, Hintergründe zu beleuchten. Nach anfänglichem Misserfolg, Ablehnung eines Verlags, dann 9 Monate warten bis ein positiver Bescheid eines anderen Verlags vorliegt, entschied sich der Leiter einer Volksschule seinen Lehrerberuf in gesicherter Anstellung aufzugeben. Mit seinen Kinderbüchern hat er unzählig viele Kinder mehr erreicht.  (Link zur Ausstellung online Material)

Verbannte Worte

Die Ausstellung Verbannte Worte im historischen Zentrum von Frankfurt trifft auf viele Besuchende der Messe aus der ganzen Welt, die oft nur ein bisschen Rathaus, Marktplatz oder Paulskirche sehen wollen. Aber unbefangen kann keiner an der Geschichte dort vorbeigehen. Neben den Millionen an gedruckten Worten muss es eben einen würdigen Ort geben, der den

verbannten Worten gewidmet ist. Viele Kunstschaffende und Schreibenden konnten bestenfalls im Exil überleben. Das ist heute in großen Teilen der Welt weiterhin so. Der PEN International listet erschreckende Zahlen dazu. Das erneute Post-COVID Wachstum der Frankfurter Buchmesse erfreut alle, die sich unermüdlich für das freie Wort einsetzen. Jedoch auch klare Worte finden denen gegenüber, die das freie Wort menschenverachtend missbrauchen. Dazu leistet die kleine Ausstellung ein sehr wichtigen Beitrag, der über die Buchmesse kraftvoll in die Welt getragen wird.

Frankfurt am Main 2023-10-22👍🏼

Ukraine@Book Fair

It is great to see so many publishers and authors at the Frankfurt book fair 2023. Because of the massive Russian misinformation not restricted to Russia, but in Western countries, too. Awarding a prize to those activists that sort truth from fake news is very important in this respect. 200 square meters of exhibition space reflects the size and quality of publishing. Lots of translations are underway as well. freedom of publishing and the press is something we usually take for granted until it is gone.

#fbm23

Schachnovellen

Eigentlich gibt es nur „die“ Schachnovelle von Stefan Zweig aus dem Jahr 1942. Heutzutage schon zu haben für 3 € (Reclam) als Reisebegleiter. Die Ausgabe ist gerade so groß wie ein Mobiltelefon. Darauf habe ich natürlich noch ein Schachprogramm mit unzähligen Rätseln und Partien, nur für den Fall eines Rückfalls. „Damenopfer“ sind im Schach eine elegante Art, die mächtigste eigene Spielfigur zu opfern, um einen strategischen Vorteil oder gar Schachmatt zu erreichen. Kurz gesagt, der König opfert seine Dame, damit er den anderen König überwältigen kann. Shakespeares Dramen klingen dabei an.
Aktuelle Literatur „Damenopfer von Steffen Kopetzky“ setzt ebenfalls auf diese Analogie. Aber zurück zu der Schachnovelle. Meine Lesart der Novelle, bei der aus dem kleinen Bauernjunge, der spätere Schachweltmeister geworden ist, bezieht sich auf die Menschheits- und Realitätsflucht des Schachspielens. Eintauchen in die Welt der Figuren und verbundener Fantasien bietet sich an. Neben Königen und Königinnen, stehen Türme von alten Ritterburgen, Pferde samt Reitenden als Teil von Reitturnieren, Läufer mit Kurz-, Langstrecken oder Marathondistanzen, sowie die Menge an Bauern, die für Nahrung sorgen, Deckung bieten und die Logistik bewältigen. Essentielle Arbeitende eben. Schon bei Verlust eines einzigen Bauers ist die Partie bei Fortgeschrittenen meistens schon verloren.
Das Eintauchen in die Parallelwelt des Schachspielens kann zu schizophrenen Verhaltensweisen führen. Ausblenden aller realen Vorgänge und Leben in mehreren möglichen gleichzeitig stattfindenden Parallelwelten als Varianten von Schachpartien verlangt mentale Stärke. Ab einem gewissen Niveau des Eintauchens in die Schachwelten, gleichsam von Schachnovellen, wird die Rückkehr in die real stattfindenden Vorgänge ebenfalls schwieriger. Spielsucht kann die Folge sein. „Gamer“ mit ihren virtuellen Welten und Abenteuern wissen sicherlich nur allzu gut, welche Gefahren dort lauern.
Stefan Zweig hat seine Schachpartie im realen Leben gegen den Nationalsozialismus verloren. Die gewählte Selbsttötung seinerseits war ein Königsopfer, das ein spielerisches Damenopfer in den Schatten stellt. Zu Recht steht die Schachnovelle oft auf dem Schulcurriculum, nicht nur da, wo Schachspielen Unterrichtsfach ist.

Generationswechsel

In den öffentlichen Bibliotheken ist ein Generationswechsel der Besuchenden überfällig. Traditionell finden sich 4 unterschiedliche Gruppen von Personen in den öffentlichen Bibliotheken wieder. Da sind (1) die bildungsaffinen Rentenempfangenden, (2) die Eltern mit Kleinkind(ern), (3) Wärme- oder Kühle suchende Menschen der Umgebung und (4) die Schul-, Hochschul- oder Examensvorbereitenden. Soziologisch betrachtet ist das ein interessantes Aufeinandertreffen von gesellschaftlichen Randgruppen.
Die „Neue Zentralbibliothek im KAP1“ (Düsseldorf) hat aus diesen meist unverbunden nebeneinander operierenden Gruppen eine kommunikative Gemeinschaft produziert. Aktion und Interaktion ist nun angesagt. Der Flyer betont richtungsweisend: „Menschen, Bücher, Räume“. Fortan soll der Mensch und seine Lernfähigkeit im Vordergrund stehen, nicht mehr nur die Bücher. Dazu braucht es meistens anders oder umgestaltete Räume. Lernen war immer schon interaktiv und nur in Teilen allein im stillen Kämmerlein. Dazu braucht es Labs als Lernräume und nicht nur die Stille der „Page-turner“. Lernboxen, Lernstudio, Musikstudio sowie eine „Kreativschmiede“. Dort wird heute gepodcasted, 3D gedruckt und es werden social-media Kanäle entworfen und betrieben, immer schön generationsübergreifend. Voneinander Lernen ist das Motto nicht mehr nur nebeneinander und im Wettbewerb um die beste Bewertung. Kollaboration und gesellschaftlicher Zusammenhalt brauchen neue Räume, dem KAP1 in der Düsseldorfer Zentralbibliothek ist dabei schon viel gelungen. Die zentrale innenstädtische Lage ganz nah am Hauptbahnhof ist ein zusätzliches Asset. Ansonsten hätte ich mich wohl nicht auf der Durchreise dorthin verlaufen. Ein Random-Walk in Bahnhofsnähe, verursacht durch verpasste Verbindungen der Bahn, hat zu einer unerwarteten, bereichernden Zwischenpause geführt. Der Ausblick aus dem Café auf das übliche innerstädtische Verkehrschaos konnte umgeben von Alt und Jung richtig genossen werden.

Stabi locker

Die Staatsbibliothek Berlin in der Potsdamerstraße macht sich mal richtig locker. Neben all dem gebundenen und gebündeltem Wissen gibt es eine kleine, etwas versteckte Ecke in der richtig gechillt werden kann. Mit aktuellen Tageszeitungen in Papier und online lässt sich gut pausieren. Eine tolle Aussicht gibt es zusätzlich. Selbst eine vorübergehende Schließung wegen überfälliger Sanierung wird die Stabi bei den Wissbegierigen eine wichtige Location vermissen lassen (fehlende Bücher).
Neben Wissensmaschine ist die Stabi eine Lernanstalt erster Klasse. Die Anzahl der mitgebrachten dicken Gesetzbüchern samt Kommentaren lassen einen immer wieder staunen über den Mangel an stillen Lernorten an Universitäten und in Privatwohnungen. Die richtige Lernumgebung befördert den Ansporn, noch eine extra Meile zu gehen. Wissbegierig ja, aber es braucht auch viel Durchhaltevermögen bei ständig wachsenden Ablenkungsmöglichkeiten. Gemeinsam, einsam, allein mit sich und dem Wissen lässt sich vorzüglich dicke Bretter bohren. Das ist ein wichtiger Teil, das Lernen zu lernen. Kunst am Bau und im Bau gibt es gratis dazu. Die Nähe zur Ablenkungsindustrie am Potsdamer Platz, Kinos, Spielbank und Fresstempel kann da getrost auf ihre späteren Opfer warten. Mit Regionalzügen und S-Bahn kommt man von dort rasch wieder weit weg.

Heidi

Neben dem Kassenschlager des neuen Barbie Films lebt ein anderer Mythos der Mädchenjahre weiter. Die in der Nähe von Zurich im Kanton Graubünden gebürtige Schriftstellerin Johanna Spyri hatte zwei Bücher mit Kindergeschichten im 19. Jahrhundert mit Namen Heidi verfasst. Dieser Ausgangspunkt bot zahlreichen Verfilmungen eine verwertbare Basis. Die Geschichten der kleinen Heidi wurden überraschenderweise von Filmstudios in Japan zu dem Welterfolg 1974 im Animé Format geschaffen.

Computer Animationen sind nichts Neues, und statt aus Japan kommen viele nun auch aus Südkorea. Outsourcing zur Gewinnmaximierung war schon immer ein verlässliche, gewinnorientierte Produktionsmöglichkeit. Lediglich für so etwas wie Kulturgüter glaubten wir, wäre das nicht so einfach. Filmrechte werden gehandelt wie andere Waren. Hohe Einschaltquoten werden uns noch mehr Heidis und Barbies im Filmformat bringen. Das werden wir aushalten müssen.

Books

Some say, a book is a book, is a book. This is to reiterate the lasting effect a printed volume might have. Many books are a form of a documentation of facts. Creative writing in whatever form finds most of the time some way into a format of a book. For centuries books have facilitated the diffusion of myths and stories throughout societies including translated versions of the content. 2 aspects are constituent here (1) form and (2) content. Annual book fairs receive most attention for new content within more or less the same rectangular format. There are, nevertheless, interesting variations of the form to be discovered as well. Traditionally book binding was the art that gave shapes to the content. Images in form of film are yet another representation of the book content. All this is “dealt” with at the Frankfurt book fair #fbm23, particularly in form of dealing in and with copyrights. New forms of delivery of content, online or as e-book, have added to the variety of books. Pay as you go or as abonnement with monthly delivery is the old and maybe fashionable new way to digest abundant content. People trust in books. The format as book in general seems to remain an authoritative form to present content, irrespective of the truthful or fictional kind of the content. The more we live in insecure circumstances, the more we tend to be willing to hold on to a pile of paper nicely woven or clued. It is still a very powerful tool to guide imagination for all ages. It allows us to learn at our own rhythm as far as we are willing to go. We are, or seem to be, in control of the process as well as the likely outcome. And yet, the spice of life is the surprise. Book it.