Composing Assisted

Before the existence of digital composition tools composers were assisted by “Kopisten”. These persons rewrote the original draft of a composition into a “proper” version of the original document. Musicology has a tough time to deal with deviations from the original. It needs to be clarified which is the final and authorized version. In some instances this is far from evident. Just as an example Robert Schumann made ample use of the assistance of Kopist Otto Hermann Klausnitz (cf Nr 6), sometimes for the preparation of the composition, the finalized versions or the explicit drafting of different voices. Klausnitz himself was a flautist in Leipzig (Gewandhausorchester) and a conductor in Duesseldorf. Overall the debate is still going on, whether the composer’s draft or in many instances the Kopist’s version of the composition (authorized or not) prevails. In the age of AI, which is highly influential in modern music, such questions will most likely be intrinsic to the process of composition as well. AI is influential in evening out rough edges. Anette Mueller (2010) has done a great job to make this work of “Kopisten” much more transparent and her concluding chapter is programmatically entitled “Komponist und Kopist- Aspekte einer produktiven Kooperation”. (Image Mueller, A 2010 p. 340).

Schostakowitsch Revival

Je mehr Putin sich unablässig in seinem Angriffskrieg gegen die Ukraine und gegen seine eigenen Leute versteift, umso mehr werden die musikalischen Werke von Dmitri Schostakowitsch aktuell. Schostakowitsch hatte viel unter Stalin zu leiden. Sein Werk konnte kaum Gefallen bei der stalinistischen Führung finden, aber dennoch haben voele der Russen seine Werke geliebt. Insbesondere die sogenannte „Leningrader“ Symphonie, die das Volk einte vor den Radioempfängern, selbst mitten im Krieg gegen Nazi-Deutschland. Die Berliner Symphoniker haben diesem Werk eine neuere Ehre erwiesen mit einer Aufführung in Berlin 2024-5. Das Interview dazu mit dem Dirigenten Yannick Nézet-Séguin wurde geführt von Matthew Hunter, Bratschist der Berliner Philharmoniker. Es beschreibt diese eindrückliche Auswahl hervorragend. Die Berliner Philharmoniker haben eine lange Tradition, Werke von Schostakowitsch aufzuführen und einzuspielen. Die Digital Concerthall hat eine umfangreiche Sammlung mit Werken von Schostakowitsch. Oftmals etwas schwere Kost, aber durch das Ausspielen des ganzen dynamischen Spektrums von pp bis ff nie langweilig. Eine kleine Filmmusik „Volksfest“ (Sylvesterkonzert 2022) ist leicht beschwingt oder gar etwas beschwipst. Der musikalische Nachwuchs hat die Tiefe der Werke erkannt und gewinnt international anerkannte Preise mit Vorträgen von Werken Schostakowitschs. So geschehen zum Beispiel beim „Concours de la Reine Elisabeth in Brüssel 2024-5. Der Ukrainer Dmytro Udovychenko würdigte Schostakowitschs Leben und Werk inklusive des Existenzkampfes und gleichzeitig seine Heimat die Ukraine mit dem Belgischen Nationalorchester mitten in Europa. 

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Puccini Media

In honor of Giacomo Puccini the Media enterprise Bertelsmann features one of its treasures. In cooperation with the “Archivio Storico Ricordi” of Milano, Italy, 100 years of Puccini’s oeuvre is celebrated with this exhibition. Fans of Puccini’s operas will have to visit the archives but the interest of this small exhibition lies in the impressive success story of Puccini and his publisher (part of Bertelsmann). Continuous innovation and adaptation to new media, like disks, accompanied an extraordinary marketing campaign throughout the 100 years. Even today there are cycling tours around Puccini’s hometown for the modern eco friendly tourists. We learn a lot about how the media industry functioned in the 20th century. It was absolutely vital to fighting for the rights of authors, composers and rights to receive royalties for performances as well as for the publishing on media. The exhibition in “Unter den Linden 1” is just next door to the Staatsoper which also gave honor to Puccini’s “Madame Butterfly” in 2024. His uncompleted Opera Turandot closes the exhibition with his rough sketches of the final scene. Merchandising is not an invention of the 21st century, but almost a century old tradition. This exhibition is a great testimony for this. It remains an important effort to allow authors and composers to gain a comfortable living during their lifetime. The gains for humanity as a whole are enormous.

Bertelsmann, Berlin 2024 Puccini.

Flotow Paris1

Die Biografie von Friedrich von Flotow, verfasst von seiner letzten Ehefrau, beschreibt die erste Parisreise und den prägenden Aufenthalt für die Ausbildung des noch sehr jungen Komponisten (S.29 ff). Bereits im Februar 1828, mit erst 15 Jahren, begann der erste Studienaufenthalt in Paris. In einer den Eltern bekannten Familie wurde der junge Friedrich aufgenommen und begann sein Musikstudium am Konservatorium. Prof. Friedrich Reicha war dort sein Lehrer, der 1825 seinen “Traité de la haute composition” veröffentlicht hatte. Schon Adam und Berlioz hatten bei Reicha Kompositionsunterricht einige Jahre vorher. Die Juli-Revolution 1830 in Paris führte jedoch zu solchen Unruhen, dass die Familie den Sohn rasch nach Mecklenburg zurückrief.
Die frühe Erfahrung in Paris, und wie wir heute sagen “total immersion” in die französische Sprachwelt und Musik, eröffnete dem jungen Komponisten einen Berufsweg, der sicherlich ohne den Aufenthalt völlig anders verlaufen wäre.
Seine letzte Komposition “Der blinde Musikant” ist als reale Erfahrung des jungen Flotow in der Biografie erwähnt. Zusammen mit seinem Freund Aubry hätte er für den stadtbekannten blinden Musikanten als Straßenmusikant Geld gesammelt. Mit seiner letzten Komposition hat er im Vorgriff auf seinen eigenen Tod, dem blinden Musikanten noch ein Denkmal gesetzt. Dieser war bald nach dieser Aktion dennoch verstorben.
Schüleraustausch und Studienaufenthalte zwischen D und F kann eine äußerst prägende Wirkung entfalten. Das trifft auch noch 200 Jahre später zu. (Image: Flotow Biografie 1892. A.28-29.

Flotow CH

Noch 20 Jahre nach seinem Tod wurde Friedrich von Flotow recht prominent aufgeführt. Im Stadt- und Aktien- Theater der Stadt St. Gallen stand seine Oper “Martha” an einem Mittwoch 26.4.1905 auf dem Programm (Anfang 8 Uhr präzis), gefolgt von Mozarts Zauberflöte 2 Tage später.  Was für eine Konkurrenz. Das Plakat zur Aufführung ist in der Digitalen Bibliothek der Kunstbibliothek in Berlin anzusehen (Link).
Die Geschichte des Theaters in St. Gallen ist aus ökonomischen,  gesellschaftlichen und architektonischen Gründen interessant. Das Tagblatt berichtete in 2007 über den Abriss der historischen Städte und den sehr verspäteten Neubau einer moderneren, größeren und wirtschaftlicheren Spielstätte. Damals zu Beginn des 20. Jahrhunderts schon standen populäre Werke wie die Martha und die Zauberflöte auf dem Spielplan. Die Aktionäre des Stadt- und Aktien- Theaters der Stadt St. Gallen haben wohl schon immer etwas mehr auf das Geld geschaut, auch wenn es um Kunst geht. Mehr Zuschauende und Zuhörende ist demokratisch und nebenbei gut für’s Geschäft. Der Abriss war beklagenswerter Weise im Jahr 1971. Ein Neubau an anderem Ort startete bereits 1968. Dieser Bau musste ebenfalls nach 40 Jahren Spielzeit grundsaniert oder abgerissen werden.  Heute findet sich darin ein lebhaftes Programm mit Musicals als ausgezeichnetem Schwerpunkt und beispielsweise des Theaterstücks „Gott“ von Ferdinand von Schirach . Die Stadt und die Aktionäre sind wohl aus der finanziellen Verantwortung, aber das Kanton St.Gallen und der Lotteriefond sind eingesprungen. Bildquelle und Großansicht Kunstbibliothek SPK Berlin.

Flotow Hund

F. v. Flotow hat seine letzten Jahre in Darmstadt verbracht. Seine Kompositionen und Aufführungen seiner Werke haben ihm ein hinreichendes Auskommen an seinem Lebensabend ermöglicht. Als früher Streiter für Autorenrechte an kompositorischer Arbeit wusste er wie wichtig solche Bezüge im höheren Alter waren. Für viele in der damaligen Gesellschaft galten Komponierende als Künstler mit hohem Verarmungsrisiko. Bis kurz vor seinem Tod hat Flotow noch neue Werke komponiert. Das Lied „Der blinde Musikant“ von 1884 wird als das letzte veröffentlichte Werk bezeichnet. Den sterbenden Musiker begleitet sein Hund, der ebenfalls Teil der Aufführungspraxis war. Die einleitende und abschließende Komposition im 3/4 Takt hat eine tänzerische fast humoristische Prägung, die vielleicht eine Anspielung auf seinen Hit „Die letzte Rose“ darstellt. Eine irische Melodie zu einem vom Hund getanzten Begräbnis hätte eine opernhafte Leichtigkeit erzeugt, die nicht vielen im Angesicht des Todes gegönnt ist. Hunde mag ich nicht, aber den da schon. Flotow vertraute sicherlich selbst bis zu seinem Tod auf die Macht der Musik. Sich selbst dabei nicht zu ernst zu nehmen, nachdem sein Freund Jacques Offenbach kürzlich vorher verstorben war, lässt sich hier erkennen. Da bleibt ein gewisser ironischer Begleitton oder zumindest ein Augenzwinkern. (Image Digitale Sammlung der Staatsbibliothek Berlin Auszug Flotow Musiknoten 2024-1).

Gruber

Welche Assoziationen kommen Ihnen bei dem Namen Gruber? Das deutschsprachige Fernsehpublikum assoziiert wahrscheinlich die Gruber Milch , die es gar nicht wirklich gibt, oder den Arzt aus der Serie „Der Bergdoktor“ mit dem Namen Gruber. Fiktive Personen, gespielt von noch realen Schauspielern, haben einen starken Einfluss auf unser Gedächtnis.

Wir erkennen zum Beispiel in der Weihnachtszeit nach den ersten 4 Tönen einer Melodie sofort das Lied „Stille Nacht, heilige Nacht“. Dennoch werden die Wenigsten die Person nennen können, die diese weltbekannte Melodie komponiert hat. Das ist überraschend. Es zeigt uns jedoch wie selektiv unsere Wahrnehmung ist. Das melodische Gedächtnis erinnert sich sofort. Das Namengedächtnis kann da scheinbar bei weitem nicht mithalten. Die Auflösung des Rätzels ist: Gruber, Franz Xaver. Der Liedtext stammt von Joseph Mohr. Der österreichische Komponist hat einen Hit gelandet, der selbst 200 Jahre nach der Komposition noch Millionen von Menschen bewegt oder oftmals ungewollt beim Shoppen begleitet.

Vereinfachende Transkription des Originals

Komposition

Es ist eher selten geworden, dass sich große Häuser der Musik den Komponisten der Moderne widmen. Es sind wohl auch nicht viele Publikumsrenner dabei. Das liegt sicherlich zu großen Teilen an der mangelnden Bekanntheit der Werke moderner Komponierenden und ihrer Werke. Karlheinz Stockhausen bildet da keine Ausnahme mehr. Das Konzerthaus Berlin hat in seiner Reihe 2 x hören einen Abend einem Werk von Stockhausen gewidmet. „In Freundschaft“. Wichtig ist zu diesem Werk eine Einführung in die Kompositionstheorie von Stockhausen. Die serielle Komposition baut auf einer einfachen Struktur von Notengruppen auf. Christian Jost erläutert zusammen mit den Vortragenden in einzigartiger musikpädagogischer Weise die Komposition. Eine Information über Wikipedia vorab erleichtert den Zugang und lässt uns die Komposition vereinfacht nachvollziehen. Auf Youtube gibt es dann verschiedene Versionen für jeweils andere Soloinstrumente zu finden. Beispiel Klarinette hier. Die Basiselemente bestehen aus 1,3,2,5,8 Noten, also ein Gesamtthema von 19 Noten aus 5 seriellen Bestandteilen. Die Variationsmöglichkeiten bilden bereits eine vielfältige Auswahl plus den anderen Varianten wie Spiegelungen oder Transkriptionen auf höhere oder tiefere Tonlagen. Komponieren wird spielerisch und bleibt ein Klangerlebnis. Reinhören online lohnt sich zum Verständnis moderner Ansätze der Kompositionstechnik.

1,3,2,5,8 Noten als Ausgangspunkt Stockhausen

Errance

Das musicorum Festival in Brüssel ist gut für außergewöhnliche Überraschungen. Am 20-7-2023 gab es dort ein Konzert des Trio Errance. Sopranistin Julie Gebhart, Pianistin Nao Momitani und Klarinettist Rudy Mathey hatten ein kurzweiliges Konzert mit dem Titel Ode au voyage zusammengestellt Von Mahlers Auszug aus der 4. Symphonie 4. Satz „wir genießen die himmlischen Freuden“ wanderten wir Schuberts Hirten auf dem Felsen folgend zu den modernen „trois itinérances“ von Claude Ledoux. Von Romantik bis zur Trauerarbeit nach dem Attentat in Brüssel 2016 waren wir auf traumhaften sowie traumatischen Reisen. Dank dem hervorragenden Trio und dem Komponisten in Anwesenheit mit kurzer Einführung haben wir uns nicht auf diesem Weg verloren gefühlt. Emotional gestärkt sind wir auf dem Weg vorangeschritten. Eine wirkliche Feier- und Gedenkstunde.

Flotow Aus

Irgendwann, so denkt man, sollte der Ruf einiger Komponierenden enden oder zumindest verblassen. Überraschend war das Auffinden auf der Musikplattform Spotify einer populären Sammlung von Liedern bei denen die letzte Rose von von Flotow zu hören ist. Ein Bayer oder Österreicher hätte vielleicht gerufen: Ja AUS is! Nix AUS ist es. Ein australisches Orchester (aus Adelaide) und Greta Bradman haben in 2018 auf der anderen Seite der Erdkugel, Flotow mit seiner „irischen“ Arie ins Programm genommen neben anderen Ohrwürmern. Die Romantik lebt. Einige Melodien finden weiterhin ihr Publikum. Erstaunlich, nach 150+ Jahren und 6000km Entfernung. Flotows Opernarien aus Stradella begeistern auch hin und wieder die Fangemeinden der Startenöre.