Covid-19 Experiment

Die Corona-Pandemie kann aus unterkühlter, wissenschaftlicher Perspektive mit einem der größten weltweit  parallel stattfindenden Verhaltensexperiment gleichgesetzt werden. Welche Personengruppen halten sich an die AHA+L-Regeln (Abstand, Hygiene, Alltag mit Maske + Lüften). Wie reagieren Menschen auf Regelbrüche von anderen. Welches Vertrauen wird der sich mittels Falsifizierung (Popper) weiter-entwickelnden hypothesengeleiteten Wissenschaft entgegengebracht. Wie funktioniert die rasche Übersetzung von Forschungsergebnissen in die tägliche Lebenswelt von Millionen Bürger:Innen. Neben den erschreckend vielen Coronatoten gab es in 2020 jedoch 10% = ca. 30 weniger Verkehrstote in Deutschland. Mit Verkehrsberuhigung und mehr Homeoffice sinken scheinbar auch die Anzahl der Toten auf unseren Straßen. Die Zahlen vom Statistischen Bundesamt legen das nahe. Die saisonalen Effekte korrelieren inetwa mit Lockdownzeiten. Im Sommer kommen die Motorradfahrenden und Fahrradfahrenden vermehrt dazu. In Ländern mit strengerem Lockdown sollten noch weniger Verkehrstote und Verletzte auftreten. Das Verhaltensexperiment, wie eine Tempobeschränkung auf Autobahnen zeigt in einigen europäischen Nachbarländern, dass solche Verhaltensänderungen Leben erhalten. “Die Zahl der Unfälle, bei denen Menschen verletzt oder getötet wurden, ging um 11,8 % auf rund 264 900 Unfälle zurück” schreiben die Statistiker. Mit Willy Brandt würde ich sagen: Nicht nur mehr Demokratie wagen, sondern auch Verhaltensänderungen wagen. Fuß runter vom Gas. Die Pandemie lässt uns fundamental über Gewohnheiten nachdenken. Weniger Verkehr hat auch positive Nebenwirkungen.

 

Disruption

Disruptive Wirtschaftspolitik ist in allen Lebensbereichen spürbar. Der Ökonom Joseph Schumpeter hat das Prinzip vor gut 100 Jahren beschrieben. Neben inkrementalen Neuerungen haben diruptive Neuerungen einen starken, ruckhaften Effekt auf Wirtschaft und Beschäftigung. Wir wissen, dass Tesla vor den Toren Berlins ein großes Automobil- und später auch Batteriewerk erbaut. Jetzt hat auch Daimler für seinen relativ zentralen und traditionsreichen Standort in Berlin-Marienfelde eine disruptive Zukunftsperspektive verhandelt. Sozialpartnerschaft kann solche disruptiven Veränderungen meistern unter Einbeziehung der Politik solange Finanzierungsspielräume vorhanden sind. Aus Gewinnen, bei verminderter Ausschüttung an Aktionäre, lassen sich selbst dramatische Umwälzungen bewerkstelligen. Stakeholder– statt Shareholderansätze sind dafür von Nöten. Die Info laut Tagesspiegel vom 4.3.2021 ist eine tolle Überraschung. Beschäftigungsgarantien als Teil von Tarifverträgen können sehr wertvoll sein und Vertrauen bilden bzw. erhalten.

Kalt in Schweden

Alter Schwede, es ist kalt geworden in Schweden. Ganze Generationen von Studenten der Sozialwissenschaft wurden mit dem skandinavischen Modell des Wohlfahrtsstaates traktiert. Neue Zahlen von Eurostat zeigen das Auseinandertriften des skandinavischen Modells. Sweden setzt sich mit liberaler Regierung seit Jahren ab von der historisch gewachsenen skandinavischen Zugehörigkeit. Warum macht das die Finanzpresse zu einer Top-Data-Info auf ihrer Titelseite. Es wirft viel etabliertes Wissen über den Haufen. Gepaart mit Daten zu Todesfällen durch Covid-19 (von JHU pro 100.000) in Skandinavien ist klar, dass sich für Schweden ein Quantensprung ereignet hat, weg vom sozialdemokratischen Wohlfahrtsstaat hin zum liberal-konservativen Modell englischer Prägung. Das tut weh. Vorbei die Zeiten für Pilgerreisen nach Schweden zu starkem öffentlichen Sektor mit Bibliotheken als Kathedralen für Bildungsgleichheit und Ansprüchen an Chancengleichheit und solidem sozialem Sicherheitsnetz. Jetzt heisst es schwedischer Sozialstaat für Schweden. Bitte rasch die Vorlesungsnotizen anpassen, damit der Etikettenschwindel sich nicht fortsetzt. 

 

Wendepunkt

Die Statistik zu #Covid-19 Impfungen zeigt erstmals mehr #Impfungen als Infektionen laut @FinancialTimes weltweit. Sicherlich ein Wendepunkt, wenn auch nur ein momentaner Wendepunkt. Das Virus mutiert und die Infektionen in bevölkerungsreichen Ländern sind noch nicht kontrolliert. Wir sind dankbar für jeden Hoffnungsschimmer, besonders die Finanzwelt feiert dann wohl schon wieder historische Höchststände. Dabei geht der Wettlauf mit dem Virus weiter https://schoemann.org/covid19-eu-variationhttps://schoemann.org/covid19-eu-variation

FT 4.2.2021

Asymptomatische Infektion

Es ist schon mehr als 1 Jahr her. Die Einzelfallprüfung zur asymptomatischen Infektion war uns bekannt. Alle Alarmglocken hätten klingeln müssen. Aber weit über München scheint die anschließende Veröffentlichung im New England Journal of Medicine nicht ernsthaft gewürdigt worden zu sein. Mit #Covid-19 Infizierte Personen sind ansteckend bevor sie selbst Symptome zeigen. Heute freundlich begrüßt, infiziert und einige Tage später selbst erst die typischen Symptome. Das SARS-CoV-2-Virus hat die kommunikativ weit überlegene Species Homo sapiens einfach ausgetrickstSARS-CoV-2-Virus hat die kommunikativ weit überlegene Species Homo sapiens einfach ausgetrickst, indem es kommunikatives Handeln (Bisous,Bisous, talk, talk) als Schwäche ausnutzt für eine rapide Übertragung. Wir müssen nicht gleich ins Schweigekloster umziehen, aber unsere Kommunikation auf digitale Medien temporär umleiten. Das sollte uns doch nicht schwer fallen, wir haben damit die Technik das Virus zu übertrumpfen. Nur wollen müssen wir es. Das Leid der 52.000 CoronaToten und deren Angehörigen wird es nicht mehr lindern können, aber weiteres Leiden und die Arroganz der Überlebenden bleibt uns hoffentlich erspart. Daher heißt es jetzt: Klaus ist allein zuhaus.

 

Weniger “isst” Mehr

Ein mit hohen akademischen Weihen versehener Artikel hat mal wieder bestätigt, was wir eigentlich seit den 70er Jahren bereits wissen und in den Gesundheitskampagnen “Friss die Hälfte” effektvoll angeregt wurde. Leider zeigen unsere “Obesity”-Statistiken völlig entgegengesetzte Trends. Wir werden immer dicker als Einzelne und als Gesellschaft. Dabei wissen wir es seit langem. Auch die Lösung mit der “Trimm Dich” Aktion und Waldpfaden mit Sportgeräten aus Holz hatten wir schon und haben sie verkommen lassen. Weniger essen hilft für ein längeres Leben und dadurch werden wir langfristig gesehen doch mehr essen (ein anderes Nachhaltigkeitsthema). Aber zunächst zu “Sestrin” dem Signalprotein. Zu hohe Proteinzufuhr schadet den tierischen und wohl auch dem menschlichen Organismus. Reduktion verlängert um 10% die Lebenserwartung. Das sind etwa 8 Jahre bei einer durchschnittlichen Lebenserwartung bei Geburt von 80 Jahren. Den Autoren
Jiongming Lu, Ulrike Temp, Andrea Müller-Hartmann, Jacqueline Eßer, Sebastian Grönke, Linda Partridge ist mit ihrer Studie ein wichtiger Durchbruch gelungen: Sestrin is a key regulator of stem cell function and lifespan in response to dietary amino acids. Nature Aging, 2020.
Mein Vorschlag ist: bei der nächsten Frühjahrsdiät doch mal erneut versuchen es umzusetzten. In Zeiten von Covid-19 und seinen Varianten sind die Erträge mehrfach. Da es schon wieder wärmer wird, ist der Wohlfühlfaktor warmen Essens nicht so einschränkend. Deswegen, Klaus raus aus dem Haus.

UK deficit spending

On 26th of November 2020, in the middle of COVID-19 health care desaster the UK is announcing a horrific budget deficit for 2020. Apparently, this is the largest for more than 100 years. The costs of bad choices in several votes (BREXIT, Parliament, Prime Minister) can be calculated in billions of pounds now. The younger generations pay a particularly high price. Cut of from Europe, job losses due to covid-19 and then the huge debt burden … and this despite the fact that they voted in a majority to stay in the EU. Very unlucky!  As Germany was the sick man of Europe with high deficit and high unemployment I continued my studies in the UK, maybe youth in the UK could take advantage of migrating in numbers to Europe. Sometimes this is the only fact stubborn governments will listen to. So,”get on your bike” across the channel this time. A famous quote from Michael Heseltine to solve the unemployment of youth in the early 1990.

deficit UK

Gott + Schirach

Am heutigen 23.11.2020 ist es soweit. Die Fernsehübertragung des Theaterstücks „Gott“ von Ferdinand von Schirach läuft im Ersten. Nach spannender Lektüre erwarten wir nun die Abstimmung der selbstbestimmenden Personen, nicht der meist über Listen aufgestellten gewählten RepräsentantInnen des Volkes. Alles andere als ein klares Votum für eine legale Sterbehilfe und Selbstbestimmung ein ganzes Leben lang wäre eine Überraschung. So wird endlich die breite Diskussion geführt, die diese schwere Entscheidung für alle Beteiligten benötigt. Toll, denn der Grundwert der Selbstbestimmung gilt  unbefristet. So ist es nie zu spät, auch eventuell erst am Ende eines Lebens Freiheit in einer letzten Entscheidung zu finden.

Finding Freedom

Abschließend ein Zitat aus dem Buch von Seite 177. “Ich bin kein Philosoph, aber, meine verehrten Damen und Herren, könnte nicht genau das es sein, was uns als europäische, als westliche Gesellschaft heute ausmachen sollte: nicht der zwanghafte Konsens, sondern, dass wir den friedlichen Dissens aushalten?”
Ein schönes Stilmittel – die rhetorische Frage, als Frage auf die wir keine Antwort erwarten, sondern beispielsweise, wie in diesem Falle, eine Zustimmung des Zuhörers einfordern.

Covid19 EU Variation

Virusvariationen sind eine bekannte Strategie von Viren, ihr Überleben und ihre Verbreitung zu sichern. Diese von uns längst durchschaute Strategie kennen wir und sollten uns darauf vorbereiten. Wir bedienen uns im Management der gleichen Strategie (siehe Blogeintrag vom 17.3.2020 https://schoemann.org/kaizen) in kontinuierlichen Verbesserungsprozessen. Am 30.10.2020 finden wir in einem Financial Times Artikel erneut Bestätigung, wir befinden uns in einem „tödlichen Strategiespiel“ im mathematischen spieltheoretischen Sinne. Machen wir es dem Virus schwerer,  Drinnenbleiben, Maske auf und häufig Desinfizieren. So werden wir das Virus Schachmatt setzen. Einen Impfstoff wird es erst demnächst geben. Bis dahin bleibt uns eine spielentscheidende Strategie weniger uns es gilt „flatten the Curve “. 

Industriepolitik

Die technologischen Entscheidungen in der Industriepolitik sind von großer Tragweite. Die Wege der modernen Industriegesellschaften sind gepflastert mit weitreichenden Fehlentscheidungen. Fehlentscheidungen aus gesellschaftlicher Sicht reihen sich an Verluste für den blauen Planeten. Einzelinteressen sind in diesen technologischen Entscheidungsprozessen zu oft zum Vorteil von Monopolen oder Oligopolen in der Vergangenheit ausgegangen.

Elektroautos gab es lange schon Quelle Spiegel Oktober 2020

Vor 100 und vor 30 Jahren gab es elektrische Prototypen für Individuellen Straßenverkehr. Gegen große Konzerne haben Nischenprodukte wenig Marktchancen sich zu etablieren. Überraschender Weise war das bereits bei der Entwicklung des Internets schon vergleichbar. In den „Comedies françaises“ ist ein anderes französisches Beispiel plastisch beschrieben worden. Solange wir Studierenden nur die Monopolrendite erklären, brauchen wir uns nicht zu wundern. Aufpassen „Winner takes all and forever“ ist dem kommunistischen Wirtschaften vergleichbar. In zu vielen Fällen erweisen sich die Monopolkommissionen als die BaFin im Wirecardskandal. … und dann singen wieder alle: Skandal um Rosi…

LeMonde August 2020

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