Visual

Key visuals have the potential to appeal to us like an own language. From a communication point of view the message is simple. You send a message from your visual appearance even if you do not intend to do so. Hence, better think about it briefly before you go public. The receiver might interpret your visual statement differently from you or other peers, but you offer a coherent version of your activity or appearance. Be it politicians (Merkel) or others, frequently memory allows only for key visuals to make lasting impressions or for something or someone to enter into collective memory of a decade or even a century. Repetition, also from different sources, plays a major part in this. It is surprisingly still uncommon to hire persons in charge of key visuals for a person, an organisation or a festival. Haphazard treatment of key visuals as part of marketing is probably an underestimation of the lasting impact of a coherent visual message. Stability and repetition are key here, rather than the wide-spread ad-hoc approaches to marketing. Only on the margin of the exposition devoted to Philippe Apeloig “Des esquisses à l’affiche” (BnF) this lesson can be learned. The merit of the exposition is the opening-up of the process of creation. Posters, graphics and typescripts all contribute to the overall visual message. Achieving coherence in the thousands of choices demands an aesthetic point of view. This may blend aesthetic languages of a decade and reflections on the subject. Catching an audience at the time of affluence of images, movies and accelerated rhythms of daily life remains a challenge. For the “Fête du Livre” Apeloig has achieved this in a memorable way, well worth a tiny exposition of donations from a master in visual communication.

Erklärungsnot

Kaum gewählt und schon in Erklärungsnot. So könnten wir die Amtsgeilheit von Kai Wegner und seiner Vorgängerin Giffey beschreiben. Vermutlich mit den Stimmen der Rechtsextremen als Bürgermeister gewählt, stand heute am 28.4.2023 ein Besuch für den regierenden Bürgermeister auf dem Israeltag der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Berlin-Brandenburg (DIG-BB) bereits als Termin. Da ergibt sich gleich eine schwierige Erklärungsnot für den Bürgermeister und die vorher einladende DIG-BB. Sollen wir den eindeutig, zweideutig gewählten Bürgermeister ausladen oder machen wir gute Miene zum bösen parlamentarischen Spiel. Vergleichbare Peinlichkeiten wird es nun gehäuft geben. Das hat uns nun die Nachwahl beschert. Demokratie ist ein schweres Geschäft und Missbrauch der Prozeduren kann erneut das gesamte System gefährden. Muss das schon wieder in Berlin anfangen. Zum Termin am Wittenberg, ausgerechnet vor dem KaDeWe, waren ungefähr 2x so viele Polizisten und Sicherheitskräfte vor Ort als Interessierte an den Ständen der wichtigen Partnerarbeit mit Israel. Schade, aber vor lauter Erklärungsnot in den nächsten Wochen, Monaten und vielleicht Jahren wird die Sacharbeit wieder in den Hintergrund treten. Dabei gab es doch genug zu tun, damit Berlin funktioniert, oder?

Pastiche

Die lange Tradition der “Pastiche“ (BnF, 2023) der französischen Presse ist nur wenig über Frankreich hinaus bekannt. Sicherlich kennen viele den wöchentlich erscheinenden „Canard enchainé“ oder die Satire-Zeitschrift  „Charlie Hebdo“. Die witzigen, fälschenden Plagiate von bekannten Zeitungen und Zeitschriften, Pastiche genannt, haben einen Kreis an Liebhabenden, die sich ihren Humor nicht nehmen lassen. In Gesprächen gilt oft die humorvolle Sichtweise auf Politik, oder das tägliche Leben, als intelligent. Eine andere, unübliche oder gar verbotene Perspektive auf einen Sachverhalt kann ja bekanntlich zu einiger Erheiterung beitragen. Was sich seriöse Medien nicht erlauben, darf dann schon mal in den Pastiche vorkommen. Wie weit darf Humor gehen bis Humor verletzend oder gesetzeswidrig wird. Diese Grenzen sind je nach Kultur und politischen Gegebenheiten verschieden. In Frankreich lässt man/frau sich nicht den Augenzwinker verbieten. Übersetzen lassen sich die oft indirekten Anspielungen nur schwer. Viel Hintergrundwissen, oft nur von kleinen Gruppen von Personen, ist zum Verständnis nötig. Da wird vielfach erst auf den 2. Gedanken gelacht oder geschmunzelt. Die Bestände der BnF daraufhin zu sichten oder überhaupt die Kategorie zu führen, sogar als eine Literaturgattung, ist beachtlich. Nachrevolutionärer Karneval ist eben 365 Tage Narrenfreiheit. Das Recht und Gesetz dazu, wird wohl gut definiert sein. Majestätsbeleidigung wird es da nicht mehr im Strafbuch geben, was zu überprüfen ist.

Royal

Im Palais-Royal, könnte man sagen, geht es noch immer recht „royal“ zu. Unweit vom Louvre lässt sich mitten in Paris fast noch etwas königliches Flair atmen. Unter den Arkaden oder im Garten weht Sommer wie Winter ein kühles Lüftchen und „Over-tourism“ ist noch nicht wirklich ein Problem. Auf engstem Raum findet sich viel Geschichte und Zeitgeschichte ein. Wie der Plan zeigt, haben sich dort einige prominente Institutionen angesiedelt. Neben dem Théâtre du Palais-Royal, ist die Comédie Francaise und das Ministère de la Culture et de la Communication dort angesiedelt. Conseil d’État und Conseil Constitutionnel ebenso. Viel Prominenz, dennoch ist eine überschaubare Polizeipräsenz vor Ort. Das war nur kurzzeitig anders, als der Conseil Constitutionnel über die Reform des Rentensystems zu urteilen hatte. Ein Schelm, wer denkt, dass sich die Theater der Nachbarschaft kurzerhand in den ehrwürdigen Räumen des Conseils verlegt hatten, oder umgekehrt?
Moliére, Hugo stehen noch oft auf dem Programm der Comédie francaise, aktuell jedoch wird Danton’s Tod von Georg Büchner gespielt. Passend zu aktuellen politischen Reaktionen auf den Straßen von Paris und darüber hinaus wird Revolution geprobt. Demokratie ist die politische Form, die Legalität, aber auch Legitimität von Politik am besten ermöglicht. Beides braucht Institutionen und Verfahren, die den Willen des Volkes entsprechend berücksichtigen. Lesen von Jean Jacques Rousseau und sein Konzept des „volonté générale“ bleibt dazu weiterhin erfrischend. Dann am besten wieder zurück in die Bibliothek BnF Richelieu gleich um die Ecke.

Forschen

Forschung betreiben ist meistens das Bohren dicker Bretter. Verständlich, dass das nicht jedermanns oder jederfraus Sache ist. Wer sitzt schon gerne alleine in einer kleinen Zelle und schreibt seine Forschungsergebnisse auf oder liest endlos lange und viel vorherige Forschung? Da ist ein Besuch in Archiven, Laboren oder anderen Datenarchiven schon etwas unterhaltsamer. Forschung ist überwiegend theoriegeleitet. Von Einzelfällen abstrahierende Theorien lassen die Forschenden entweder an diesen Theorien weiterarbeiten oder vielfach irgendeine Form von Daten sammeln mittels derer sie dann die Theorie(n) testen können. Eine Herausforderung an diese Arbeitsweise stellt die rein datengetriebene Induktion dar. Sozusagen der „deus ex machina“ erwächst aus einer hinreichend großen, am besten sich ständig erweiternden, Datenbasis. Wetterdaten, Verkehrsdaten, Krankheitsdaten, Börsendaten und Arbeitsmarktdaten bieten für sowohl für deduktive als auch induktive Verfahren hervorragende Beispiele. Datensammeln in Archiven, beispielsweise Rekonstruktion oder Interpretation eines Lebensverlaufs aus Korrespondenz ist ein klassisches Verfahren von meistens LiteraturwissenschaftlerInnen. Manche Archive belohnen die Forschenden mit Glanz und andere mit Gloria, selten mit beidem. Glänzende Aussichten bietet die biographische Forschung zu Komponisten und MusikerInnen in Paris. In der kleinen, aber sehr feinen Bibliothek der „Opera Garnier“ bin ich zu dem Komponisten Flotow fündig geworden. Es befinden sich dort in der Komponistenakte Zeitungsausschnitte, die 150 Jahre alt sind und ein Büchlein aus frühen DDR-Zeiten, die den Aristokratenkomponist durchaus kritisch durchleuchten. Die Ablenkung auf dem Weg in die Bibliothek und dem Archiv der Oper ist allerdings atemberaubend, also nur für ganz überzeugte Forschende zu empfehlen. Die meisten werden von der Opulenz des Bauwerks so beeindruckt, dass jegliche Forschungsfrage und Theorie „backstage“ verwiesen werden. Selbst backstage kann es ziemlich schön sein.

Rhetoricae artis

“Die Kunst der Rhetorik und der positiven Fähigkeit” ist eine kleine Wissenschaft. So hieß es bereits 1475 in dem von Guillaume Rardif veröffentlichten Buchdruck aus dem “Atelier du Soufflet Vert”. (BnF, Réserve des livres rares, Rés. X-1118). Als Teil der Ausstellung zum Buckdruck entnehmen wir 5 wichtige Hinweise für die Kunst der öffentlichen Rede: (1) inventio = (Er-)findungskraft, (2) dispositio = Anordnung, Gliederung, (3) elocutio = Ausdrucksweise, Stil, (4) memoria = Erinnerungsvermögen, (5) pronunciatio = Urteilskraft.
Ein kritzelnder Leser hat mit Bleistift die 6 Teile angefügt. Exordium = Einleitung, Narratio = Erzählung, Sachverhalt, partitio = Einteilung, und schließlich die dialektik mit Confirmatio, Rufusation, Conclusio. Abweichungen von diesem rhetorischen Schema sind noch immer selten. Das galt wohl seit dem 15-ten Jahrhundert schon für Predigten und wissenschaftliche Vorträge. Alles altes Latein, oder was? Die heute übliche “Elevator-speech” folgt anderen Regeln. Die Aufmerksamkeitsökonomie und Flut der Informationen erzwingt viel kürzere Redezeiten. Die Nachhaltigkeit der Botschaft wird anders erzeugt. Bildlichkeit ist Trumpf in Erscheinung und Auftritt. Auch das will gelernt sein. Die Bücher damals waren selbst ästhetische Kunstwerke und dennoch Arbeitsbücher, leider nur für sehr wohlhabende Studierende.

Kimono

Die Ausstellung zur Geschichte, Kultur und Vielfalt des japanischen Kimonos ist beeindruckend. Natürlich kennen wir alle den Kimono aus Kinofilmen oder Fernsehen. Eine kleine, feine Sammlung wird noch bis Ende Mai im “Musée du quai Branly“ gezeigt. Die Betonung liegt dabei auf der Adaptationsfähigkeit des klassischen Kostüms. Selbstverständlich war der Kimono immer schon ein Gewand der sozialen Distinktion. Kleider machten und machen Leute, nicht wahr? Für das deutschsprachige Publikum ist der Rat der Designerin Shibasaki Rumi, die ihre eigene Marke Rumi Rock in Japan hat, interessant. Der Kimono könnte auch problemlos mit Birkenstock Sandalen kombiniert werden, für alle, die keine „japanischen Geta Sandalen“ und passende Socken im Schrank haben. „Cross-cultural fertilisation“, der Kimono ist wandlungsfähig und bringt nach wie vor exotischen Touch mit sich. Damit lässt sich vortrefflich überraschen. Das wusste schon Pop-Ikone David Bowie in den 1970-ger Jahren für sich zu nutzen.

History

Approaching history with a personal touch is a powerful way of attracting persons into learning about others and themselves. The use of some personal belongings as part of a “history box” can be the beginning of an historical journey into the 30s, 40s, 50s or any other decade. It is an empowering tool for learners of all ages. Digging deeper into personal histories, societal constellations and societal change becomes alive through tiny little things. Communicating about these artefacts blends old and new narratives, just as much as the life courses of the “common woman or man” with the celebrities of the time. “Getting personal” is the hype in the time when social media want to define our life though endless nudging. Reflecting on origins is not what we tend to do, PhotoAPPs create retrospects for us, take it, or leave it. History is catching up on us. The fashion world reinvents history on a seasonal basis. After all, a bag is a bag is a bag. Or is it different from the one a person took to Auschwitz.

Alkoholismus

Alkohol ist eine Droge, da Alkohol abhängig machen kann. Die Bewusstseinsveränderungen können beachtliche bis extreme Ausmaße erreichen. Das wissen wir alle und zwar seit Jahrhunderten. Mäßigung bei Rauschmitteln ist nötig, aber schwer erlernbar. Etwas Genuss ist gesellschaftlich nicht nur toleriert, sondern gewollt zur Förderung der Geselligkeit. Zu viel Genuss beeinträchtigt meistens andere und wird dann zu einer schwierigen Problematik. Ärztinnen, Psychologinnen und andere Heilberufe stehen oft hilflos, wie auch das nahe familiäre Umfeld, vor dieser Situation. Selbst neuere Studien weisen darauf hin, dass die Versorgung dieser Patienten (UK), bestenfalls in der Hälfte der Fälle als gut einzustufen ist. Die Studie zu Großbritannien beschreibt gleichfalls die Krankheitsgeschichte und -versorgung als „eskalierende Tragödie“. Für die meisten anderen Länder liegen keine wirklich guten Daten vor, die weder einen Handlungsbedarf noch auf einen gesellschaftlichen Gestaltungswillen hindeuten würden.
Die Radiosendung zum Thema „Umgang mit Alkoholkranken“ und die Initiative von Sänger Max Mutzke, „Kindern suchtkranker Eltern eine Stimme geben“ beschreibt eindrücklich die generationsübergreifende Bedeutung von Alkoholkrankheit. Alkohol ist eben nicht nur das Problem der betroffenen Person. Ein ganzes Umfeld ist betroffen. Das Problem wächst sich meistens aus zu einer Problematik für das weitere familiäre Umfeld, Freundeskreise und ArbeitskollegInnen. Es ist erstaunlich, dass wir seit Jahrhunderten keinen anderen Umgang mit alkoholbasierten Rauschmitteln gefunden haben, als alles erlaubt oder alles verboten, außer der Altersbegrenzung für Kinder und beim Autofahren. Der Maler Bruegel sah das wohl ähnlich. Den St. Martinswein kann sich heute jeder im Laden um die Ecke selbst kaufen. Mäßigung im Umgang mit Drogen ist nach wie vor ein schwieriger Lernprozess, für Einzelne (Jordaens – Der König drinkt!), wie für die Gesellschaft. ( fast betrunkenes Video Alko VLC Bruegel MRBA Bruxelles.jpg zur Bildexploration).

Sax and the Sax

Adolphe Sax is celebrated for his celebrated design of musical instruments in what it known and played as the Sax family of musical instruments. Most museums around the world have an example of an early Sax instrument in their collections. Beyond the many fascinating musical delights and emotions produced with the instrument, there is a century-old debate around the issue of the patent attributed to the various designs claimed by Adolphe Sax for the Saxophone among others. The patent attribution was hugely different across Europe in the 19th century (largely inexistant in other parts of the world at the time). The reason for this were differing laws guiding intellectual property rights. “In France no preliminary examination was necessary before a patent could be granted; in Germany examination was obligatory; and … British patent laws, which allowed makers to register designs or apply for patents for developments that had been copied from abroad (imported inventions), as long as they had not been published in Britain.” (Mitroulia and Myers, 2008 p.93). There is a well-documented controversy about the “Berlin valves” and the contested patent in France of it. Design of instruments, particularly popular ones, guarantee sizable earnings for producers of instruments. After 20 years of the 1846 patent in France 1866 the patent expired and the copies could become even cheaper. Some ugly disputes in the middle of Europe were fought around this issue. Remember that military music was still accompanying troops for better or worse. “Visionary or plagiarist? The authors are unable to give a simple verdict. … The fact that Sax claimed originality for some borrowed ideas seems in retrospect less important than the true vision shown.” (Mitroulia and Myers, 2008 p.135). We might not agree with this statement. The visit to the MIM in Brussels gives a good overview of the evolution of musical instruments over thousands of years and across continents, which pushes us to rethink the link of society and technology through the lens of music and technology. Welcome to techno music beyond patent laws. Pushing the boundaries of copyrights on sound sequences to new limits.
(Sources: MIM Brussels, Rice A. R. (2009). Making and improving the nineteenth-century saxophone. Journal of the American Musical Instrument Society. 35:81-122. Mitroulia, E., A. Myers. (2008). Adolphe Sax: Visionary or plagiarist? Historic Brass Society journal, 20, 93-141).