Art to People

It is a timely move to not only rely on people to come to exhibitions or a museum, but for art and artists to go towards people. Advertising exhibitions is a first step in this direction. As photography and selfies are all around us, it is a small step to get more people interested in art through photography. The treasures of archives and libraries complement the markets for art and photography. Susan Sontag has taught us the social sciences related to photography. Learning by looking is just like the well-known learning by-doing.

The BnF in Paris is advertising at the Gare de l’Est in Paris. Passing by the board might inspire thousands of travelers and commuters to stop for an instant. Eventually being bothered and to take notice of the intriguing image or images in this reproduction of a photograph or maybe 2 blended ones. A few might note down the address or take a screenshot with their mobile camera to remember. All these instances enlarge the audience for the exhibition or motivate people to go beyond the quick shot with their smartphone camera. The artwork related to photography mostly starts after the first shot. It is in fact sometimes quite a long journey to come up with the final image. Just go for it.

Gare de l’Est Paris 2023-11 BnF exhibition

Black and White

Nothing is just black and white. Some animals have a representation or vision of images in black and white. Just like in computing full color modes or high resolutions use more power of chips and memory. In short colors are computationally costly. For our brains this is unfortunately just as important. Therefore black and white images have a certain advantage. On the one hand they reduce an image to its essential elements, on the other hand they allow a faster grasp of the message or content at sight.

The BNF presents a wide range of images in black and white from the time that color photography has been available, but photographers consciously chose to represent their image in black and white (1907-). Obviously with black and white photography we maximize contrasts. An image can be converted into a graphical representation like a black and white pencil sketch or drawing. A few more nuances are introduced in applying perspectives to capture or to produce by use of lighting forefronts and shadows.

Using different materials as support of photography allows us additional creativity and stunning effects. Lighting from behind the image is popular in advertisements on our high-streets. Last but not least using techniques of color photography gave rise in modern black and white photography to allow for chromatic transitions and contrasts within images.

All this is well documented in the exposition and ample examples make it a formidable visual learning experience. From the origins of just black and white we have come around to the fabulous and magical in black and white. In reducing to black and white the essential becomes more visible. The superfluous is blackened or whitened out. It is a skill of importance nowadays to focus on essentials and to find new ways to go beyond the obvious shot.

BnF 2023-11-10 B/W

Comme les peintres

« Moi aussi, comme les peintres, j’ai mes modèles ». So beginnt ein Gedicht von Jacques Prévert. Ein Klassiker der französischen Poesie. Prosagedichte sind eine Gattung der Gedichte, die in kurzen Texten einen Moment oder Augenblick einfangen und sublimieren. In diesem Genre publiziert Philippe Delerm seit Jahren prosaische Gedichte. Der in 2023 erschienene Band „Les instants suspendus“ reiht sich ein in die Sammlungen von Momentaufnahmen, die sprachlich veredelt die Wahrnehmungen schärfen und sie zum Salz des Lebens werden lassen.
Für Weinliebhabende drängt sich die Assoziation „vendanges tardives“ (späte Lese) auf. Während wir in deutschen Weinanbaugebieten ganz nüchtern die zu erreichenden Öchsle für die Spätlese zählen, verbindet Delerm mit den „vendanges tardives“ „une jeunesse prolongée, glissant vers la mélancolie, et célébrant mezza voce le mariage de l’automne et de l’été “. (2023, S.87).
Die Sammlung „Les instants suspendus“ – auf Deutsch vielleicht „Momente, die schweben“ bietet zahlreiche, aufheiternde und, ja auch erhebende Augenblicke, die trotz der Intensität der Schilderung für viele Menschen Anknüpfungspunkte bieten. Übersetzen lassen sich die Szenen schon, aber es schwingt bei den kurzen 200-300 Wörter umfassenden Texten viel französisches Flair mit.
Bei „Commander l’eau“ wird „Le bruit de l’eau dans la bouteille devient chant“. Wasser einfüllen ist Musik. Oder, « Le moteur de la deux-chevaux », der Motor des 2 CV, « c’était humble et c’est devenu chic », das war bescheiden und ist schick geworden. (S.82). Das federnde, schwebende Fahrgefühl wird bei Delerm ein „accord prolongé“, zu einem nachwirkenden, verlängerten Akkord.
Aus dem Netz der Spinne (toile d’araignée) wird der Stern der Spinne (étoile d’araignée) auf Seite 101. Fast alle hätten diesen Versprecher schon gemacht, aber es ist einer der Wenigen, den die Erwachsenen nicht berichtigen.
Lassen wir den Kindern ihre „instants suspendus“, ihre Momente der Poesie.
(Image: Innenansicht und S.9 Anregung Proust zu lesen im Vorspann).

Dramen

Jon Fosse hat bereits viel Erfolg mit seinen Dramen gehabt. Wahrscheinlich können wir sein umfangreiches Werk mit der Kenntnis von Ibsens Dramen und Becketts Dramen besser verstehen, falls Verstehen überhaupt eine relevante Kategorie ist Fosses Werk. Durchaus vergleichbar mit Beckett hat Jon Fosse früh schon erfolgreiche Aufführungen seiner Theaterstücke neben seiner norwegischen und skandinavischen Heimat in Frankreich. In Deutschland hat der Regisseur Thomas Ostermeier seine Werke in Salzburg und Berlin vor ca 20 Jahren bekannt gemacht.
Suzanne Bordemann beschreibt in ihrem Buch zu der Rezeption von Jon Fosse, wie der schriftstellerische Werdegang des Kunstschaffenden verlaufen ist. Interessant ist dabei die weniger bekannte Ausgangsbasis Fosses als Herausgeber der Literaturzeitschrift Bok oder seine literaturtheoretischen wissenschaftlichen Aufsätze. Selbst seine Tätigkeit als Übersetzer von Dramen aus dem Deutschen und dem Englischen hat sicherlich zu einer Ausprägung von Sprachfertigkeit geführt, die uns heute noch einzigartig erscheint. Schreiben hat enorm viel mit Lesen und stetigem Arbeiten an Texten vielfältigster Art zu tun. Dieses literarische Gesamtkunstwerk ist sicherlich Grund für die höchste Auszeichnung des Gesamtwerks mit dem Nobelpreis für Literatur.
Aus Stille lernen heißt dann für mich, Jon Fosse selbst zu Wort kommen zu lassen. Das hat Suzanne Bordemann in ihrem 2. Kapitel vorgemacht. Als Auszug möchte ich 2 Seiten (S. 26-27) zitieren, die für mich besonders aufschlussreich waren. Sicherlich Grund genug für eine intensivere Befassung mit diesem umfassenden Werk.

Stille

Die Würdigung zum Preis der Stadt Münster für Internationale Poesie 2017 wurde gemeinsam an Jon Fosse und Hinrich Schmidt-Henkel vergeben. In 2023 kennen viele sicherlich den jüngst gekürten Literatur Nobelpreisträger Jon Fosse. Der Preis für Poesie aus Münster hat gleichzeitig den Übersetzer ins Deutsche mit dem Preis bedacht. Personen, die zwei- oder mehrsprachig aufwachsen oder leben, sind mit der Thematik der Übersetzung hinreichend vertraut. Dennoch ist die Übersetzung von Literatur und Poesie eine spannende Herausforderung.
„Diese Stille herbeischreiben“ ist der Buchtitel in dem sowohl ausgewählte Beispiele der Poesie von Jon Fosse auf Norwegisch, als auch die Übersetzungen dokumentiert sind. Die einleitenden Beiträge über die Kunst und das Handwerk der Übersetzungen verdienen ebenfalls eine Aufmerksamkeit, da dort die neben Wortschatz, Syntax, Grammatik, Stil auch über den Duktus oder die Haltung des Autors zu seinem Inhalt gesprochen wird. Unmittelbar nach der Begründung der Jury für die Preisverleihung ist das Gedicht „denne uforklarlege stille“, übersetzt mit „diese unerklärliche stille“ abgedruckt (S.70). Dieses Gedicht endet mit den Zeilen:
„Das ist was wir immer wieder erzählen sollen
und was nie erzählt werden kann
Das ist was wir sind und tun“
Jon Fosse ist es gelungen, diese Stille herbeizuschreiben und Hinrich Schmidt-Henkel hat die Herausforderung als ästhetisches Projekt (S.32) gemeistert, sich die Freiheit der Wortwahl zu nehmen und gleichzeitig dem Original treu zu bleiben.
Schon lange bevor es die Übersetzungs-KI gab, war die Kunst der Übersetzung nicht nur das „Was zu schreiben ist,  … und das wie zu schreiben ist“, sondern „auch die Kategorie der Haltung“. (S. 33-34).
Der Begriff der Haltung wir sicher deutlich an dem für Jon Fosse so wichtigen Begriff der Stille. Eine beredte Stille ist zu einer gängigen Redewendung geworden. Wind gehört im norwegischen Kontext zur Stille dazu. Bald wird dröhnt es bei uns wieder in der Vorweihnachtszeit aus den unglaublichsten Ecken „Stille Nacht, …“. Meditation und Stille ist in Religionen ebenfalls allgegenwärtig.
Stille üben fällt schwer. Ein solches Konzept von einer Sprache und Kulturkreis in einen anderen zu übersetzen ist Meisterwerk. Das werden wir noch lange nicht der künstlichen Intelligenz überlassen können. Frage an ChatGPT: „Was ist Stille?“ – … KI: „Stille ist …!” –
Oh just shut up, it was a rhetorical question.

Flotow Jazzy

Es war wohl nur eine Frage der Zeit bis mir der Suchalgorithmus diverser Plattformen eine Jazzvariante einer Melodie von Flotow raussuchen und vorschlagen würde. In Verbindung mit einem Abstecher an Flotows Ehrengrabmal in Darmstadt war es dann so weit. Der überraschende Vorschlag eines Arrangements, das gleich mehrere Melodien von Flotow zitierte, war erstaunlich, aber eher gedacht für FreundInnen von Jazzimprovisationen, die Spaß an Kompositions- und Improvisationstechniken haben.
Die Beteiligung der Bayerischen Philharmoniker an der Produktion zeigt, was in den 70er und 80er Jahren so alles möglich war. Cross-over zwischen Musikstilen war sehr willkommen. Das ist meiner Einschätzung nach sogar noch vielfältiger geworden, aber nicht unbedingt häufiger. Also habe ich mich anregen lassen, die Herausforderung anzunehmen. Der Beginn schien mir zunächst wenig gelungen, die Referenz zu der bekannten Flotow-melodie nur am Rande hör- und erkennbar. Das Experiment wurde rasch zu einem anspruchsvollen Musikrätsel. Wie viele Melodien oder Werke wurden zitiert? Das wird zu einer musikanalytischen Aufgabe, die nicht so rasch zu lösen ist.
Für Personen, die wenig mit Flotow vertraut sind, wird das Rätsel vielleicht erst gegen Ende der Einspielung überhaupt als klassische, romantische Vorlage erkannt. Trick gelungen: Klassik mag ich nicht, aber das da schon. Das kann also vielleicht sogar Generationen zusammenbringen.
Der Arrangeur und Pianist Eugen Cicero, ein aus dem sozialistischen Rumänien geflohener Pianist und Komponist hat sicherlich in der oft als Trauermelodie bezeichneten Arie „Die letzte Rose“ Trost und Inspiration gefunden.
Laut seiner Biografie gab es dazu eventuell Anlass, die Selbsttötung seiner Stieftochter mit 14 Jahren. Letztere Geschichte ist in dem Roman und Kinofilm „Chritiane F. – Die Kinder vom Bahnhof Zoo“ ein Hintergrundmaterial gewesen. Vielen ist dieser Film in unvergesslich tragischer Erinnerung geblieben. Die Fentanyl-krise in USA und beginnend in Europa ruft solche Schrecken ebenfalls wieder in Erinnerung.
Die Discografie zu Flotow und die Verarbeitung durch Flotow der ursprünglichen irischen Volksliedvorlage könnte copyright-Expertinnen heute schier zur Verzweiflung bringen (Transponieren von D-Dur nach F-Dur erweckt mehr Tiefe statt Leichtigkeit und mehr Koloratur haben daraus einen internationalen operngängigen Hit gemacht, siehe Druckauszüge hier). Zu solchen Anlehnungen entwickeln sich heutzutage ganz umfassende Rechtsprechungen, die durch KI-unterstützte oder geschriebene Melodien nochmal etwas komplizierter werden. Einfach ignorieren geht nicht mehr. Das kann sehr teuer werden. Es bleibt uns ein passendes interdisziplinäres Lehrstück zum Thema Musik, Komposition und Gesellschaft.

Bücherverbrennung1933

AutorInnen sind nicht nur eine seltene Spezies. Es ist auch eine gefährdete Art. Die Macht des geschriebenen Wortes wird und wurde seit langem von Diktatoren und Autokraten gefürchtet. Dabei sind die Nationalsozialisten besonders zu erwähnen. Auf der Frankfurter Buchmesse in 2023 gibt es wieder eine Präsentation und kleine Ausstellung dazu. Unter dem Titel „Verbrannte Orte“ kann online recherchiert werden, an welchen genauen Orten die abscheulichen Vorboten von noch viel größeren Verbrechen begangen wurden. Bereits 3 Monate nach der Machtübernahme zelebrierten die Verächter der freien Meinungsäußerung mit den Bücherverbrennungen Einschüchterungsversuche. Auch im Jahr 2023 bleibt das eine Mahnung, früher und entschiedener gegen solche Taten einzuschreiten. Auf der Internetseite „Verbrannte-Orte“ ist eine Karte der gelisteten Bücherverbrennungen verfügbar. Beispielsweise für Erlangen bei Nürnberg zeigt die Karte den Schloßplatz nahe den medizinischen Instituten als Tatort (siehe unten). Mit seiner beträchtlichen Anzahl von gewaltbereiten, schlagenden Studentenverbindungen in den 1930er Jahren ist das wenig überraschend. Dazu findet sich heute zumindest eine Plakette dort, die an diese Schandtaten erinnert.
Wenn Frankfurt wieder die Neuheiten auf dem Büchermarkt feiert, sind wir froh die Internationalität und Toleranz zu feiern. Auf dem Römerberg in Frankfurt befindet sich ebenfalls eine Plakette, die die Erinnerung an diese von Studenten vielfach ausgehenden und befeuerten, hässlichen Aktionen wachhält. Strafrechtliche Konsequenzen müssten wohl erst noch genauer recherchiert werden. Da scheint die Rechtsprechung noch nicht viel weiter entwickelt zu sein. Verletzungen des copyrights bei Büchern wird verfolgt, aber eine öffentlich verrichtete Verbrennung befindet sich in einer juristischen Grauzone. Für die Verbrennung des Korans in Schweden wurden zeitverzögert 2 unschuldige schwedische Fußballfans von einem islamistischen Fanatiker ermordet. Hass schürt weiteren Hass. Daran hat sich in den 90 Jahren seit den Bücherverbrennungen in Deutschland wenig geändert. Die Schauplätze ändern sich. Eine Wiederkehr auch nach Deutschland kann überhaupt nicht ausgeschlossen werden, da das gewaltbereite, rechtsextreme Spektrum weiterhin wächst.
Quelle: Julius H. Schoeps (Hrsg.); Werner Treß (Hrsg.): Orte der Bücherverbrennungen in Deutschland 1933; Olms Verlag; 2008; ISBN: 978-3-487-13660-8. Image: Erlangen in Verzeichnis „Verbrannte-Orte“.

Luftschloss

Im K21 der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen ist ein Luftschloss eingebaut worden. Es ist das einzige mir bekannte Luftschloss, das für alle Besuchenden begehbar und fühlbar ist. In wahrhaft luftiger Höhe von 25+ Metern über der Eingangshalle der Kunsthalle K21 und zentral unter der gläsernen Dachkuppel platziert, lässt sich mal so richtig abhängen. Nahezu schwebend kann die weiträumige Installation von Tomás Saraceno erklommen werden. Die Schritte und wippenden Bewegungen der anderen BesucherInnen lassen sich unvermittelt ebenfalls erspüren. Du bist nicht allein, im originären Sinne des Wortes. Die buchstäbliche Vernetzung mit allen anderen Personen werden durch Schwingungen des Netzes zu anderen Kletternden oder Chillenden übertragen. Eine unmittelbar erlebbare Erfahrung der Verbundenheit mit unbekannten, anderen Menschen stellt sich ein. Die Verbundenheit innerhalb einer Gesellschaft wird eindringlich verdeutlicht. Die Angst, durch die Höhe verursacht, weicht rasch der freudigen Erfahrung der Schwebung und der kindlichen Erfahrung der Suspension. Nahezu freischwebend in der Luft, im Orbit erlebt jede/r sein eigenes Luftschloss inmitten von transparenten Kugeln, die wie Planeten wirken. Gleichsam real, aber dennoch imaginär durchwandern wir die Installation immer im Bewusstsein, dass andere um uns sind, die unsere Schritte, Möglichkeiten und Haltungen mit beeinflussen. Vom Luftschloss träumen oder im Luftschloss träumen, beides ist dort machbar.
CO2 freundlich lässt sich die Erfahrung in der APP Aerocene fortsetzen. Der für unser Wetter so bedeutsame Jetstream wird zur imaginären Flugerfahrung genutzt und mit recht aktuellen Daten gespeist. Die Verbindung zu „Earth and Space Sciences“ ermöglicht die Einbettung der sozialen Erfahrung in einen noch weiteren Kontext.
Die eigenen 4 Wände sind die Grenze. Das galt schon früher nicht. Weit darüber hinaus lassen sich neue Möglichkeiten erschließen, die nicht umweltbelastend sind. Selbst die Reichstagskuppel in Berlin sehe ich plötzlich mit ganz anderen Augen. Mehr als Möglichkeitsraum, statt der traurigen Vergangenheit und der zerstrittenen Gegenwart. Was wäre die Kunst, wenn sie nicht zum Träumen anregen würde.

Kunstsammlung

Viele Kunstsammlungen in der westlich dominierten Kunstwelt haben nicht nur ein Übermaß an Beständen von Männern gegenüber von Frauen, sondern ein noch größeres Gefälle zwischen westlichen Kunstschaffenden und Kunstschaffende globaleren Ursprungs. Die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen versucht in 2023, diesem Bias zu begegnen. Die Preisträgein des K21 Global Art Award an die Südafrikanerin Senzeni Mthwakazi Marasela (Image unten aus der Ausstellung K21) steht für starke Frauen, die mittels der Kunst, Geschichte und Geschichten erzählen und damit dokumentieren. Wir brauchen viele dieser Stimmen.
Der Kunstkalender 2023 bringt zudem über den Jahreswechsel hinaus „Isaac Julien“ in die Kunsthallen in Düsseldorf mit seinen beeindruckenden Filminstallationen. Immer unter dem Thema der Gleichberechtigung sind seine Werke eine unablässige Hinterfragung der von uns, der Gesellschaft, produzierten und sich ständig reproduzierenden feinen Unterschiede. „What freedom is for me”, so der Untertitel der Ausstellung, erlaubt den Perspektivenwechsel und, sich die Bedeutung des Freiheitsstrebens der „People of Colour“ zu vergegenwärtigen. Jenseits der Freiheit, als Abwesenheit von Unterdrückung, Angst und Ausbeutung ist Freiheit etwas zu tun, zu denken, sich auszudrücken die Nagelprobe auch der Gleichberechtigung. Unsere großen Ausstellungshäuser und Sammlungen sind sich ihrer Verantwortung bewusst geworden. Manche Museen erwachen gerade erst aus den Schrecken, die sie in ihren Sammlungen vorfinden. Im Interesse der Freiheit und Gleichberechtigung erwächst den öffentlichen Institutionen dabei eine Verantwortung, die immer schon da war, aber erst in den letzten Jahren intensiver angegangen wird.
Jede Sammlung ist selektiv, sonst wäre es wohl keine Sammlung. Den Waffen- und Trophäensammlungen der letzten Jahrhunderte müssen wir heutzutage Sammlungen hinzufügen, die neue Möglichkeitsräume erschließen und Empowerment befördern. Los, sammeln wir. Senzeni Mthwakazi Marasela 2023 K21clipvideo

Selfie 3D

Wir meinen gerne die heutigen Gewohnheiten, wie die ständigen Selbstbildnisse seien eine Erscheinung des 21. Jahrhunderts. Weit gefehlt. Wer es sich früher schon leisten konnte, hat sich malen lassen. Photographen haben später diesen Markt übernommen. Aber eben auch Kunstschaffende haben seit langer Zeit ihr Selbstbildnis gezeichnet, gemalt und in Stein oder Gips geformt. Selfies sind daher eher die Demokratisierung der Möglichkeiten, sich selbst zu inszenieren. Eben sich so zu portraitieren, wie sie oder er sich selbst sieht, sehen möchte oder gesehen werden möchte. Es ist daher weniger ein narzisstischer Charakterzug die Antriebsfeder, sondern für die meisten Menschen steht ein Teilen, eine Form der Interaktion mit anderen im Vordergrund. Die portraitierte Person ist da, auch wenn sie gerade nicht da ist.
Diese Intention haben Herrschende jahrtausendelang genutzt und sich Mausoleen und Pyramiden errichten lassen. Gut, dass diese Praxis weit in den Hintergrund getreten ist. Heute regeln wir bereits unseren digitalen Nachlass in Ergänzung zu unserer analogen Hinterlassenschaft. Für viele werden dabei, ganze Sammlungen von vielfältigen Selbstbildnissen zu verwalten sein. Die 3D-Ausdrucke unserer Gesichtscanns samt mehr oder weniger noch vorhandener Haarpracht kommen dann in eine eigens vorbereitete Vitrine. Selbstverständlich gehören die MRTs und sonstige Scanns von ZahnärztInnen auch in die Sammlung. 3D ist schon ein guter Anfang auf der Interaktionsreise mittels Selbstbildnis. 4D Realisationen, wie Yoko Ono mit ihrem Cut Piece 1967 kamen dann später. (Photos from Friedrichwerderschen Museumskirche, Berlin 2023 Austellung Ideal und Form, li: Schadow Selbstbildnis, mi: von Kahle, re: Rauch).