Einfahrt freihalten

Wir alle kennen die Schilder „Einfahrt freihalten“ auf dem Lande und in den Städten. Alle Personen, die eine Art von Garage oder Einfahrt für ihr Zuhause, Firmengelände oder Grundstück haben, sehen sich früher oder später gezwungen andere Personen auf die Einfahrtsmöglichkeit extra hinzuweisen. Ohne Hinweisschild könnte sich jemand die Freiheit nehmen, genau an dieser Stelle sein Vehikel abzustellen und die Ein- und Ausfahrt zu blockieren. Derartiger ziviler Ungehorsam oder einfach Faulheit eine andere, weniger anstößige Parkgelegenheit zu suchen, verleitet ständig zu leidenschaftlich geführten Streitigkeiten. Einsätze vom Ordnungsamt, der Polizei und einem Abschleppdienst gehören zu den üblichen Folgewirkungen. Rechtlich verbriefte Eigentumsrechte gehören in vielen Ländern der Erde zu den höchsten Rechtsgütern.
Interessant sind die verschiedenen Spielarten von „Einfahrt freihalten“ in der deutschen Sprache. „Ausfahrt freihalten“, beispielsweise, suggeriert die Bedeutung des raschen Verlassens, eventuell zu einem Einsatz. Zeitdruck bei der Heimkehr oder beim Wegfahren lassen auf die Begründung der Nachdrücklichkeit der Aufforderung schließen, bitte Ausfahrt freihalten.
Die neueste Berliner Variante der Aufforderung, bitte hier nicht parken, heißt „Freiheit aushalten“. Können wir die Freiheit der Person aushalten, jederzeit dieses Gelände zu verlassen oder zu befahren. Das ist anscheinend eine große Herausforderung an der viele Personen ständig scheitern und ihre eigene Parkfreiheit über die Freiheitsrechte der anderen Personen stellen. Gesellschaftliche und rechtliche Prinzipien lassen sich manchmal an alltäglichen Kleinigkeiten verdeutlichen.

Book traders

Some book traders have a mission. They assemble little corners on their book shelves or in tiny cupboards reserved for their passion or mission. In some book shops you’ll find a corner devoted to a specific language or translations, in some a world region is represented as a specific predilection. The choises are as numerous as there are books. Of course, from an economic point of view national and international bestsellers will be shown in the most prominent places. Second come books for children, cooking, life and travel guides. All those are the cash cows for book shops and traders.
But beyond those, it is always worth the effort to search for those little carefully curated corners in a good bookstore that derive from the vision or mission of the book trader, employed or owning the shop. In some areas this contributes even to a small community building. Readings of authors add to the function of book sellers to build a relationship to their non-random book buyers. I keep going back to my favourite book stores and libraries with those curated corners for decades and across countries to find inspiration and updating of special topics.
There is a danger that we are going to lose all this professional work of thousands of well-trained book traders that guide readers in addition to publishing houses, literary critics, numerous awards and huge marketing campaigns of derived products (as with Harry Potter). Living up to your mission while running a book store must be a great experience. If is really increases the buyers and readership for the topic, would be a great result. However, I suppose many bookshops manage to keep their little curated areas despite economic pressure to go with the mainstream marketing campaigns and top selling books and gadgets.
With the decline in the number of smaller book shops (in Germany from ca 5000 to 3000 in about 20 years) we see a parallel increase in number of franchises of the big book sellers (Thalia.de 500 stores in D). Big chain increase seems to cause fewer professionally trained book traders (-10% in D) within a country. For younger generations TikTok (BookTok) has taken over large parts of the “book counselling” of book traders previously. This was a big event at the Frankfurt Book Fair 2023 as well.
Time to rush to your local bookstore and book trader before it is taken over by a big chain or simply disappearing silently. We are likely to lose many of those book traders with a mission to make this world a better, more beautiful, more tasty, enjoyable or inclusive place.

Weinpropaganda

Staatspropaganda kann viele Wege gehen. Die von Christof Krieger ausführlich beschriebene Propaganda mittels Wein, für das nationalsozialistische Regime Werbung zu betreiben, ist ein gelungenes Beispiel für eine bisher wenig beleuchtete Propaganda. Im Sinne einer populären Strategie, Wein für die Massen zu produzieren, konnte die günstigem Wetter geschuldete Überproduktion bei Abnahmegarantie zu Festpreisen in den ersten Jahren der Nazidiktatur dem Volk, das als Luxus geltende Weinsaufen, nahegebracht werden. Ansonsten wäre eben Industriealkohol entstanden. Wir kennen die Thematik aus der EU-Agrarpolitik. Die von den Nazis organisierten Weinpatenschaften bestehen vielfach als „Städtepartnerschaften“ fort. So war beispielsweise das reiche Düsseldorf mit dem kleinen Winzerdorf Graach bei Bernkastel-Kues verbunden. In Berlin finden sich eine ganze Reihe von Plätzen und Straßen, die nach kleinen Weinorten benannt sind inklusive der alljährlichen stattfindenden Weinfeste.
Die Veröffentlichung der Dissertation im Rhein-Mosel-Verlag ist vorerst vergriffen, aber sicherlich bald wieder erhältlich. Das Interesse an diesen Verbindungen ist groß, da damit viele Familiengeschichten eventuell neu aufgearbeitet werden müssen. Plötzliche große Nachfrage schaffte Begünstigte und neue Abhängigkeiten. Wie sich später herausstellen sollte, führte das politische Eingreifen in den Markt zu erheblichen Verstrickungen. Also einfach nur Saufen ist auch nicht mehr wie früher, war es eigentlich nie. Bier saufen für die lokale Landwirtschaft ist ja auch nicht wirklich nachhaltig.

Over tourism

There are a few very popular places that many people want to see or experience by themselves. In the Moselle valley Bernkastel-Kues is such a place. The small mediaeval market place with tiny houses, built with massive wooden structures attract a lot of visitors. Arriving by car or bus has created a mess around the place. Arrival by ship is even worse. Masses of people make a short stop and pour into the small city. Many places that become popular through Instagram, tik-tok or vimeo or youtube videos have a similar fate. Over tourism is no fun for locals. Some business interests thrive selling gadgets made in China to more and more Chinese tourist groups. This is probably the worst- case scenario.
Watching the ships pass by is somehow the better option. Watching the rowing sportspersons is even more interesting. Reflecting on sustainable development is a by-product. Tourism of the masses is part of the problem, Rowing couples part of the solution.

Deutschlandticket

Das Deutschlandticket erfreut sich recht großer Beliebtheit. Nahverkehr mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist angenehmer als ständig irgendwo, im Stau zu stehen. Die Nutzung für größere Entfernungen bringt einige unliebsame Überraschungen mit sich. Einige Regionalzüge transformieren sich im Kleingedruckten zu IC-Zügen, bei denen die Deutschlandticketfans dann aufgefordert werden, den Zug zu verlassen. Regionalbusse versuchen ebenfalls oft mit zweifelhaften Methoden, extra nochmals abzukassieren. Es ergibt sich daher gesicherte Eindruck, dass für die Bundesbahn das Deutschlandticket eine ziemlich lästige Überforderung darstellt. Bei den Reisenden, die gerade auf die Bahn umgestiegen sind macht sich das Gefühl breit plötzlich zu einer Gruppe von Personen zu gehören die ständige Mobbingerfahrung macht. So machen wir völlig neue Erfahrungen. Das überlastete Personal, das ebenfalls genervt ist von den Planänderungen durch Baustellen, gibt den Frust an die Kundschaft weiter. So wird die Verkehrswende nicht gelingen. Umdeklarieren von Zügen heißt in der Region eigentlich Etikettenschwindel, der Verbraucher kann ja auf das Kleingedruckte verwiesen werden. Nach 6 Monaten Deutschlandticket hätten doch schon einige solcher Hinweise zu Verbesserungen führen können. Hätte, hätte …, genau nehmen wir öfters das Fahrrad als Transportmittel. Das ist noch gesünder.

Hier fährt schon lange kein Zug mehr 🚂

Städtepartnerschaften

In einigen Städten gibt es ganze Listen mit Städtepartnerschaften.  Diese werden mit sehr unterschiedlicher Leidenschaft gepflegt. Berlin-Kiew ist eine Partnerschaft, die erst seit 2022 wieder richtig wichtig geworden ist. Solidarität mit den Menschen, Schicksale teilen und Unterstützung gewähren, wenn es nötig ist,.Das alles lässt sich einfacher bewerkstelligen bei etablierten Kontakten. Verantwortung für Vergangenheit und zwischenmenschliche Beziehungen überwinden viele Barrieren. Die deutsch-französischen Partnerschaften bilden ein weitgespanntes Netz, das viel zur Verständigung der Menschen beigetragen hat. Deutsch-polnische Partnerschaften ergänzen seit einigen Jahren die gegenseitigen Besuche und Kontakte, die die so wichtige Aussöhnung zwischen den Völkern befördert, gerade in Zeiten von konfliktbeladener Regierungspolitik.
Es reicht nicht, wenn Schulklassen einmal von West nach Ost oder umgekehrt fahren. Zum beiderseitigen Verständnis braucht es mehr Anstrengungen. „Spiele ohne Grenzen“, die populäre Art mit Spaß bei der Sache einen Wettstreit inszenieren, das hat in den 70er Jahren gut funktioniert. Feste feiern mit interregionalem Austausch ist ebenfalls eine interessante Alternative. Straßennamen Plätze mit dem Namen der Partnerschaft helfen wenig für wirkliche Verständigung. Okay, die Nazis hatten die Städtepartnerschaften zu übler Propaganda missbraucht, zur Indoktrination und Machtdemonstration in anfangs noch widerspenstigen Regionen. Gerade deswegen müssen wir andere Modelle der Verständigung anregen, die das Menschliche in den Vordergrund stellen. Lange Zugfahrten können Anregungen bringen, aber wer kann schon so viel Anregung noch vertragen.

Unwinding violence

A common metaphor to describe rising or erupting violence is the “spiral of violence”. In exerting violence by one person or group, the response of the other person or group is even more violent and, potentially, the response to the response makes use again of more violence. The spiralling up of violence is hard to stop or to reverse. Law as well as its enforcement has to play a major role in this process. However, if the police violence is involved as part of the spiralling process the process gets even more complicated. Beware of the beginnings of such a process.
In France in July 2023 the debate about violence is wide open. Contributions to the debate in Le Monde deal with the discussion to claim equal treatment of violence from “fundamental ecologists” as well as extremist defendants of industrial agriculture (Stéphane Foucart). Both sides became more radical in their actions and threaten an escalation in case of governmental inaction. The “triangle of silence” is also a breeding spot with a potential for violent confrontations. Groups in society that have no voice in parliament or local governments frequently use violent actions to raise awareness to their concerns as politics and media tend to ignore “not so nice” images and reporting from areas with multiple disadvantages and social confrontations.
One of the proposed solutions by Marcel Marloie (published in LeMonde) proposes to rethink urban planning deviating from the path proposed originally by Le Corbusier. Instead of offering public parks that are cultivated (and policed) by the local government, entrust areas of collective gardening to the disadvantaged communities. The empowering role is, to master your own piece of happiness. The “bonheur à la Voltaire” is likely to increase attachment to your local and neighbouring community. Of course, this is not evolving without conflicts, but these are processes of accepting compromises and mediation rather than violent resolution of conflicts or aggression out of desperation.
Contrary to the belief that some big projects (Olympic games in Paris) should contribute to unite a nation(s), it might well lead to further segregation of persons who benefit from the games and those who are unable to enjoy some sort of participation in the event. Further gentrification of Paris is likely to be the result. Poorer or lower middle-class people will no longer be able to live in the renovated suburbs that have more public space being privatised and turned into for profit activities. The challenge is to build areas that enhance trust in people, trust in institutions and politics. Schools, associations, trade unions, political parties and social institutions have an important role to play in this respect. The way forward is with more communication and deliberation, not less, especially for and with the most distant groups of a societal consensus.

Moped

Im Osten Deutschlands schwören viele Moped Enthusiasten auf ihre Schwalbe. Italienische Mopedliebhabende wollen immer nur Vespa fahren. In den 70er Jahren gab es bereits eine kleine platz- und energiesparende Alternative. Das war die Honda Dax. Als Moped zu haben mit 50cm³ Motor bis zum Motorrad mit 125cm³ bekannt als Monkey-bike. Der 4-Takt-Motor erlaubte geräuscharme, niedrige Drehzahlen. Dazu gab es eine Fliehkraftkupplung, besser bekannt als Halbautomatik mit Fußschaltung. Tanken mit Benzin ohne Ölbeimischung, was die Mobilität einfacher machte und mal vom Reservekanister getankt werden konnte. Reichweite ohne nachtanken, ça 70 km.
Im Juli 2023 habe ich noch einige Exemplare in einem autoberuhigten Ferienort an der Nordsee gespottet. Das Motorrad wird 2023 mit 1,5 Liter/100km ausgewiesen. Eher zeitgemäß ist die elektrische Variante, die sich sauber in der Garage oder direkt an der Solarzelle laden lässt. Das hat ungefähr ein halbes Jahrhundert gedauert. Umweltbewusstsein fällt nicht vom Himmel. Der Elektromotor bietet mit 800W. Das ist mehr Kraft als ein Pedelec. Da steht einem Ausflug zu zweit, nicht zu weit, nichts mehr entgegen. Bevor die Emotionen die Überhand nehmen, mache ich meinen täglichen Spaziergang.