Zauberhaft

Allem Neuen wohnt ein Zauber inne. Das passende Zitat “Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne” von Hermann Hesse ist knapp kommentiert auf Wikipedia zu finden. Diese literarische Einleitung beschreibt recht gut, welche Verzückung bei start-ups zuweilen präsent ist. Nicht nur im Prozess des Gründens, sondern auch in den Kontakten mit Investoren und der ganzen Szene herrscht eine gewisse Extase vor. (Illustration W. Kandinsky 1923 Fröhlicher Aufstieg) Gut so, wenn das Start-up zu Beginn bereits eine Qual ist, Hände weg davon. Es wird oft nur schlimmer im weiteren Verlauf und Lebensverlauf. Selbst für enthusiatisch gestartete Unternehmende kommt allzu oft eine Ernüchterung, vielleicht sogar Sackgassen. Einen knappen Überblick bietet die Webseite “Deutsche Startups” oder “startbase“. Die großen Pleiten à la WIRECARD etc. lassen wir mal beiseite. Das kommentieren die Skandalmedien ausreichend, weil Quotenbringer. Mir geht es um die vielen kleinen zauberhaften Anfänge und persönlichen Lernkurven der Beteiligten. Julian Leitloff & Caspar Schlenk (Keinhorn) haben in ihrem Büchlein ein recht schonungsloses Bild gezeichnet, was es wirklich heisst, ein Start-up zu gründen. Vor allem braucht es ein dickes Fell und einen fast unbeugsamen Willen ständig “offen sein für Neues” und Lernbereitschaft.
Neben den biografischen Details der Gründenden bietet das eckige Büchlein aber auch einen Ausblick auf das Kompetenzspektrum für “Start-ups” und dann später hoffentlich “Grown-ups”. Verstreut über das Buch lassen sich Kompetenzen identifizieren: Buisiness Plan, Erstellen und Überarbeiten, Design Thinking, 3-D Druck, Buchhaltung, Marketing, Personal/Talent Management, Webpage Design und Interaktion über Social Media, Responsibility sowie Finanzen und Investmentkalkulus. Natürlich findet das alles im Team und dann im HomeOffice oder der Garage/Keller statt. Ist ne ganz schöne Packung und bitte nicht die “Deadlines” verpassen.

Das alles liest sich in dem Büchlein unterhaltsam und ohne Pathos der einen oder anderen Art. Aufgrund meiner soziologischen Forschungtradition war mir der Einstieg über das “Phänomen … Survivorship-Bias” (S.9) bedeutsam. Der Überlebendenbias besagt, dass wir meistens nur die Geschichten der Überlebenden (der Titanic) kennen, aber nicht die Geschichten der vielen hundert Ertrunkenen. Eine solche wird in dem Büchlein von den Gründenden erzählt, aber mit einem anderen Happy-End. Einmal Schiffbruch, hoffentlich kein Problem, Aufstehen und ein traumhaftes neues Schiff bauen ist das, was später einmal zählt.

Auszug aus dem Buch von Julian Leitloff & Caspar Schlenk (Keinhorn) S.12.

Kreativ

So wie die Generation der älteren Personen sich auf die Covid-19 Einschränkungen eingestellt hat, so macht das auch die jüngere Generation. Die unter 25 oder unter 35 Jährigen hatten schon seit einigen Jahren ein fundamental anderes Medienkonsum- und produktionsverhalten als andere Generationen. Dies hat sich wohl in der jetzigen Krise nochmals verstärkt. Online Nutzung von sozialen Medien und Streaming Diensten haben sich weiter verstärkt (Statistik dazu Link). Aber anders als zu jammern, hat auch diese Generation “in die Hände gespuckt” und eben auf ihre kreative Weise Kultur, Musik, Workshops, Tanz und Gemeinsamkeit in virtuelle Party- und Erfahrungsräume verlegt. “StayAtHome” ja, aber wir lassen uns den Spaß nicht verbieten.
Neue Verknüpfungen von mehreren Intiativen haben sich gesucht und gefunden. Ein gegenseitiges Unterstützen und Miteinander durch die Durststrecke findet statt. Solidarität wächst in der Generation der vermeintlichen Individualisten auf neue Weise. So wird von den Jüngeren eine virtuelle Plattform gebastelt, Gruppen von Künstlern und Freischaffenden vernetzt und gleichzeitig noch Spenden eingesammelt. Das Drunter & Drüber Festival ist ein spannendes Beispiel. Auch vor einem Namen wie dem “Dies | Das Kollektiv” schreckt die junge Generation nicht mehr zurück. Spannende Stories entstehen und viel Gemeinsinn in einer Krise, die uns in unsere oft zu kleinen Stuben einsperren musste.
Ich verrate jetzt nicht in welchen Workshops wir uns beteiligt haben. Spaß hatten wir auf jeden Fall und dazugelernt haben wir wieder viel, dieses Mal von der engagierten Jugend. Streaming-Plattformen für Gamer und Kunstschaffende, wie Twitch, kannte ich bisher nur aus Computerfachzeitschriften. Das hat sich nachhaltig verändert.
Mit dem Dies | Das Kollektiv gings Drunter&Drüber und weiter in der Szene mit https://www.reframed.world/. Wer sagt hier Deutschland kann nicht digital? Herzlichen Glückwunsch!
Weitere Aktivitäten und Spendenaufrufe finden sich bei UnitedWeStream.berlin oder der ClubCommission.de

Maske

Das CoronaVirus wird mit uns bleiben, ob wir wollen oder nicht. Dann werden wir uns eben anpassen müssen. Okay, die 85+ Geburtstagsfeier meiner Mutter musste ausfallen. Gemeinschaftsunterkünfte mit Hochbetagten stehen unter besonderem Schutz mit Einlasskontrollen, und das ist gut so. Die älteren Personen müssen noch mehr auf sich selbst gestellt im Alltag klar kommen. Masken zum Schutz vor Ansteckung immernoch weitgehend Fehlanzeige. Die Generation der Hochbetagten mit Kindheitserfahrung der Kriegs- und Nachkriegszeit weiss noch, was plötzlich alleine zurecht kommen heisst. Da mache ich mir irgendwie die Schutzvorkehrung selbst. Die Bastelstunde beginnt. Nach einigen ersten Versuchen und Ölen der Nähmaschine sind die ersten Prototypen fertig und der Familienrat kann tagen.
Also: die gesundheitliche Schutzfunktion der Masken sollte im Vordergrund stehen. Kaffeefiltereinsatz schon gut, aber Flies ist sicherer. Toll, die Wiederverwertbarkeit der Masken nach Auskochen im Topf oder mit Bügeln verdient ein Nachhaltigkeitssiegel. Das Wiederverwerten von Stoffresten spart ebenfalls kräftig CO². Klasse Initiative. Die Lehre aus der Covid-Geschichte:
Behalte deine alte Nähmaschine, die Stoffreste, Gummibänder und Füllstoffe. Alles was mal vorgesehen war für Kostüme oder Fastnachtskostüme hat einen neuen sinnvollen Einsatz gefunden.
Toll Mama, kann ich auch so eine Maske haben?
Bild unten hat sie mit dem Tablet fotografiert, Bastelei beschrieben und per email zugeschickt. Eigeninitiative kennt keine Altersgrenze. Lernen voneinander auch nicht.

Job Announcements

Various cooperation projects linked to lifelong learning and skill development are offering jobs. One job is based in Stuttgart with Agentur Q and another one in Bonn at the Leibniz Institute for lifelong learning. Both require a good knowledge of German to be operational. A broad multi-disciplinary interest is an essential asset. Quantitative research skills are a must. Don’t be afraid just get in touch to inquire for more details about these jobs with the contact persons mentioned, both former/current Ph.D-students I had been happy to accompany in their scientific development .
Both announcements as pdf-files below.

20180201_Ausschreibung_ReferentIn_AgenturQ

Ausschreibung_SuP_NWG1