VR im Museum

Das jüdische Museum hat am 8.5.2022 eine Klanginstallation der ganz besonderen Art aufgeführt. Die Pianistin Annika Treutler hatte Werke von Viktor Ullmann aufgeführt, die zusätzlich durch 3D Aufnahme virtuell in z.B zeitgenössischen Musiksälen erklingen kann. Damit lebt die Musik heute weiter in vielen Konzertsälen und Klangräumen. Eine ganz besondere Freude zum Sieg über Nazi-Deutschland. Der Vernichtung von Kulturgütern kann begegnet werden durch innovative Technik. Alexander Stublic hat ebenfalls eine kurze Erläuterung zu seiner VR-Installation Innerland gegeben. Dem Siemens Arts Program ist hiermit eine einmalige Würdigung der Geschichte zum Tag der Befreiung von Nazi-Deutschland gelungen, bei gleichzeitiger Projektion in eine vielfältige Zukunft. Vergessene Werke können so zu neuem Leben erweckt werden und für nächste Generationen mittels neuer technischer Möglichkeiten übersetzt werden. Das Live Klavierkonzert von Tamar Halperin hat diesen Ansatz vorzüglich klanglich umgesetzt mit zentraler Referenz zu Viktor Ullmann, eingerahmt von eigenen Kompositionen. Ich verneige mich in Dankbarkeit für eine würdige Feierstunde bei allen Kunstschaffenden und Organisierenden. Hoffentlich bleibt die Möglichkeit des virtuellen Begehens der Aufführungen länger als die geplanten 2 Wochen bestehen. Für mich bleibt diese Erinnerung für immer mit dem 8. Mai verbunden.

Tanz in Berlin

Anne Teresa De Keersmaeker hat mit ihrer Kompanie “Rosas” in dem Stück “Dark Red” in der Neuen Nationalgalerie eine traumhafte Inszenierung ihrer Choreografie verwirklichen können. Zu modernen Klängen einer Querflöte tanzt in dieser riesigen leeren Halle die Choreografin erst selbst bevor eine andere tanzende Person auftritt. Wenige überschwengliche Sprünge oder ausgreifende Bewegungen begleiten die Live-Musik. Nahezu reflektierte, introvertierte Bewegung setzt Kontrapunkte zu der verschwenderischen Architektur von Mies van der Rohe. Die Eingangshalle der Neuen Nationalgalerie ist eine Bühne, wie sie die Choreografin De Keersmaeker liebt, hat sie doch feste Engagements in klassischen Opernhäusern abgelehnt wegen der Beengtheit der Bühnen und Blickwinkel. Die 360° anzusehende Performance und beliebig sitzende oder stehende Zuschauende sind Teil des Konzepts “Dark Red”. Zum Abschluss geht die tanzende Botschaft raus in die Welt und löst das Bühnenkonzept auf. Eindrückliche Bilder entstehen so, die stärker und nachhaltiger sind als das klassische Repertoire, durch Anlehnen an Streetdance und Reflektionen über Bewegung, Raum und Grenzen. Schade, dass es nur 3 Tage mit jeweils 3 Performances Ende März 2022 gab. Vor der einmaligen Kulisse der Nachbarbauten erlaubte das Zusehen wechselnde Bühnenbilder und Erinnerungen an die offenen Ateliers der Berliner Tanzwochen. Nur das Publikum blieb noch etwas steif am Samstag morgens um 11 Uhr. Auf dem Foto unten im Profil ist die aktive Tanzende und Choreografin gleichzeitig Teil und Kopf der Performance.

Verkauf

Wer kauft was im “Sale” im Schlussverkauf? Die Einzelhändler*innen der Kleidung verkaufen zum Jahresende die Wintermode bevor der Winter so richtig begonnen hat. Die jahrhunderte alte Tradition der Konsumtempel muss sich jedes Jahr neu erfinden. Zumindest die ausgestellte Ware soll immer wieder neu aussehen. Selbst die Architektur gibt uns den Eindruck des Neuen, wo eigentlich das Alte nur neu rausgeputzt wird. Allemal ist das ökologischer, aber ganz schön, und schön aufwendig. Der Leipziger Platz in Berlin auf historischen Aufnahmen (s.u.) oder das KaDeWe waren schon solche architektonische Highlights. Frisch herausgeputzt, wie die Pariser Häuser “La Samaritaine” “Le Printemps” und eben das KaDeWe  in Berlin, wird “Shoppen” als Erlebnis zelebriert.
Der Museumsbesuch mit angegliedertem Shop wird ersetzt mit dem Shopping Mall in historisch wertvollem Architekturdenkmal. Schon längst ist aus “Lasset uns beten”,  “Lasset uns shoppen” geworden. Der Kuhdammwandernde in Berlin nimmt vielleicht noch die Gedenktafel für Robert Musil war. Sein programmatisch unvollendeter Roman, von Precht als “kategorischer Konjunktiv” gewürdigt, umschreibt die sich aufdrängenden, imperativen Traumwelten der Konsumtempel. Ich shoppe, also bin ich, meint der moderne Mensch. Dabei sollte doch der Titel von Robert Musils Roman “Der Mann ohne Eigenschaften” uns nachdrücklich zu  denken geben. Die gesichtslosen Ausstellungspuppen im Stil unisex suggerieren eine Inklusion, die reichlich exklusiv bleibt. Prosit Altjahr, Posit Neujahr!

George Sand

In der Reihe der bedeutenden Mäzeninen sollte George Sand nicht fehlen. In dem Buch “Les étés de Frédéric Chopin à Nohant 1839-1846” wird die Rolle von George Sand deutlich, wie sie  Frédéric Chopin neun Jahre lang in ihrer Villa auf dem Land empfangen und seine Kreativität und Gesundheit  unterstützt hat. Eine Liebesbeziehung war Teil der Komplizität der beiden Romantiker. Schriftstellerei und Komponieren haben sich vortrefflich ergänzt. Die Liste der Werke für Klavier, die in Nohant von Chopin komponiert oder fertiggestellt wurden, beläuft sich auf fast 50 Stücke. Mazurkas , Nocturnes, Walzer und Polonaises. Das Buch enthält vier CDs mit diesen Werken interpretiert von Yves Henry am Klavier. Als Camille Saint-Saens mit elf Jahren 1846 sein erstes Konzert im Salle Pleyel in Paris gab, war Chopin bereits sehr krank und hatte nach der Trennung von George Sand noch 3 weitere Lebensjahre. Musiktheorie “Harmonie und Melodie” von Saint-Saens beinhaltet Innovationen, die auch auf Chopin basieren. Jahre der Mittellosigkeit betrafen den jungen Saint-Saens und Chopin in seinem letzten Lebensjahrzehnt. Mäzenatentum daher eine “condition sine qua non” im Schaffensprozess. Die politisch, feministisch, sozialistish engagierte George Sand, die eine Regionalzeitung “l’éclaireur de l’Indre et du Cher” aufbaute (1844) schreibt charakteristisch für die RomantikerIn in dem Brief an die Mitgründenden der Wochenzeitung: “Les rêveurs de mon espèce pourraient dire aujourd’hui : “Je rêve, donc je vois.””   (ich träume, also sehe ich, S.23 “Questions politiques et sociales”, George Sand 2013). Ihr Sohn hat das Treppenhaus der Villa in Nohant dementsprechend als hommage in eine Traumlandschaft verwandelt. (Bilderserie zur Villa aus 2020)

Bibliotheken

Die Freiheit in schönen Bibliotheken zu arbeiten, ist ein einzigartiges und vielfältiges Geschenk. Die neueste Umgestaltung der “Royal Library of Belgium” (KBR.be) hat einen hellen Lesesaal hinzugefügt. Eigentlich für Studierende, die keine Dokumente der Bibliothek konsultieren gedacht, mutiert die Institution zu einem “co-working” space. Das ist der eine Trend, aber ebenso werden alte Bestände für die Öffentlichkeit erschlossen und damit entwickelt sich das Berufsfeld des Bibliothekars zum Kurator des eigenen Fundus. Für die Inszenierung und Inspektion seltener Bestände zahlen Besucher höhere Eintrittsgelder. Win-Win nennen wir das heute. Valorisierung des Bestands und der Restaurierungsarbeiten ist die andere Seite der Medaille. Die Kathedralen der Moderne putzen sich richtig raus. Das macht Mut und Hoffnung für Bildungschancen, die wertvollen Bestände können so gut erhalten an viele Generationen weitergegeben werden.

“Je connais l’âme du pauvre et celle du riche : le pauvre s’imagine qu’avec l’argent on peut tout avoir. Le riche, lui, sait que ce n’est pas vrai.” (baron Maurice de Hirsch, 1831-1896) zitiert nach Victor Malka, 2006, S.93.
J’imagine, donc je suis

Mäzene

Die Fortsetzung des Beitrags zur Entstehung der Profession der Künstlerin findet sich in der wenig untersuchten Rolle von Frauen als Mäzene. Der Besuch des „Musée Jacquemart-André“ legt eine Verbindung der Künstlerin Nélie Jacquemart-André zu ihrem Mäzenatentum durch Kaufen von Bildern anderer Künstlerinnen nahe. In dieser Sammlung befindet sich zum Beispiel ein Porträt angefertigt von Elisabeth-Louise Vigée Le Brun von 1790, eine der frühen Künstlerinnen im Beruf. Auch ein Beispiel einer eigenen Arbeit der späteren Mäzenatin findet sich in dem frühen Beispiel eines Gesamtkunstwerks. Das Ensemble Kollektion und Villa in Paris (158 Boulevard Haussmann) sowie die Abbaye de Chaalis neben dem Parc Rousseau mit weiteren Teilen der Sammlung. Die Mäzenatinnen von heute hatten prominente Vorläuferinnen, die noch wenig als solche gewürdigt worden sind. Erst heute wieder in der Covid-19 Pandemie werden wir uns wieder der Bedeutung von Mäzenatentum für die Künste bewusst. Bevor es Künstlersozialkassen gab waren die Mäzene und Mäzeninnen lebenswichtig im unmittelbaren Sinne des Wortes.

Buddha Museum

In Fortführung des Themas “Geben und Nehmen” bot sich der Besuch des Buddha-Museums in Traben-Trarbach an. Als zentrales Thema gehört das Geben von Opfergaben, aber auch das Nehmen auf Seiten der Mönche zum buddhistischen Alltag. Durch das Geld als Tauschmittel hat das Geben, in Form von Naturalien oder zubereiteten Speisen, im Westen seine Bedeutung verloren. Die Armenspeisung oder Versorgung mit Lebensmitteln für Bedürftige hat sich in der caritativen Arbeit erhalten. Ansonsten ist der Tausch über Geld als Zahlungsmittel die kontaktlose Form des Gebens und Nehmens geworden. So hat mich am Buddha-Museum eigentlich überrascht, dass es einen festen Eintrittspreis gab, im Gegensatz zu Gotteshäusern anderer Religionen. Dies führte wohlmöglich zu der Besuchsruhe als fast alleinige Gäste an einem touristisch viel besuchten Wochenende  im Juni 2021. Die Sammlung im Museum überzeugt durch die historische Tiefe (bis ins 12. Jahrhundert) und geografische Breite (weite Teile Asiens) der Buddha-Repräsentationen. Über Inhalte der buddhistischen Lehre informieren viele Tafeln neben den Figuren. Ansonsten bietet sich das Meditieren an zum Beispiel im Innenhof oder auf der Dachterrasse. Viel Zeit mitbringen ist notwendig. Als Beispiele habe ich eine kleine persönliche Galerie zusammengestellt. Beschleunigung und Aufgabenfülle treibt selbst die Buddha-Repräsentationen (siehe Abbildungen unten). Während die frühen Darstellungen noch mit wenigen zusätzlichen Händen auskommen, haben spätere Darstellungen bereits viel mehr Arme und fast genauso viele Köpfe, um  die Arbeiten für die Gläubigen zu erledigen. Während zusätzliche Arme die Statue stabilisieren, werden weitere Etagen mit Köpfen selbst den Buddha sehr kopflastig werden lassen. Ist das Gesamtbildnis bereits gefährdet? Wir bleiben dran an der Story.
Die ausgewählte Buddhafigur (erste Abbildung) ist ein Geschenk des Königreichs Bhutan an das Buddha-Museum aus dem Jahr 2012. Eine Lehmfigur mit Naturfarben. Eine Weiheinschrift befindet sich versiegelt im Inneren. Laut Beschreibung hielt die Gesandte des Königs die Figur während des gesamten Fluges auf ihrem Schoß. Meditation mit Halten einer Buddhafigur ist auch schon eine beachtliche Leistung. Medienabstinenz ist für die jüngere Generation in 2021 kaum noch vorstellbar. Das sehen sicherlich unsere Gerichte schon so. Handyverbot ist Grundrechtsberaubung, da Informations- und Meinungsfreiheit darüber ausgeübt werden.  “Geben und Nehmen” über den Lebensverlauf ist nicht nur eine Meditationsreise wert, es beschreibt ein soziologisches Forschungsprogramm von großer Tragweite. Theoretische und empirische Durchdringung ist anspruchsvoll, beginnt doch das Leben von der ersten Zellteilung an mit dem Nehmen, aber auch dem Geben von genetischen Programmen. Dann sehen wir ein weiteres “Phase-in” des Gebens über den Lebensverlauf auf vielfältige Weise. Wollen oder sollen wir das bilanzieren? Den Menschen ist das weitesgehend freigestellt, Tieren weniger. In Annäherung an das Lebensende stellen sich viele Menschen erneut diese Frage des Gebens und Nehmens auf existentielle Weise. Die neue Bewertung der Sterbehilfe als neue Balance von Geben und Nehmen am Lebensende beendet vermeintlich den Lebensverlauf, die intergenerationellen Fragen wie Vererbung und Ungleichheiten schreiben jedoch den Zyklus des Gebens und Nehmens fort.

 

Seelenverwandtschaft

“Dein Verstand formt sich je nachdem, was deine Gedanken regelmäßig beschäftigt. Die menschliche Seele färbt sich nach diesen Vorstellungen” notierte bereits Marc Aurel in den Selbstbetrachtungen (5.16).
Theognis von Megara: “Von guten Menschen wirst du Gutes lernen, aber wenn du dich unter schlechte begibst, wird deine Seele Schaden nehmen.” Zitate aus “Der tägliche Stoiker“(S. 111+87 reingucken, Kritik).
Ein interessantes Fundstück zu der Frage, was die Seele ist, verweist auf die Korrespondenz von Voltaire (Âme = Seele). “Seele nennen wir, was mit Leben erfüllt”. Das Zitat verweist auf Beweggründe für das Handeln, modern als Motivation bezeichnet, seit der Antike oft mit Psyche gleichgesetzt. Eingebettet in die Frage was wahr ist, spielt uns die Psyche ja so manchen Streich, besonders im Rückspiegel. Individuelle Schuld bei kollektiver Schuld, besser kollektives Versagen und Verantwortung aufzuzeigen, ist oft kein leichtes Unterfangen. Das hat Philippe Sands Jahre seines Lebens bewegt. Über “Lügen, Liebe und die Suche nach der Wahrheit” lautet der zweite Untertitel seines hochgelobten Rechercheromans. Über einen “Nazi auf der Flucht”, der die “Rattenlinie” nehmen möchte, ermöglicht er uns, in die Recherche zur Schuld von Otto Wächter einzusteigen. Wieviel individuelle Schuld ist nachweisbar bei Kriegsverbrechen? Das hat bereits viele Gerichte beschäftigt. Aber die Intergenerationalität, die Schuld auch begleitet, ist einer der Nebenstränge des nicht-fiktionellen Romans.  Was lässt sich über Generationen hinweg als Wahrheit weitergeben? Schönfärberei ist eine zusätzliche Gefahr der Erzählungen älterer Generationen. Da muss man/frau selber ran (Familienforschung), am besten unterstützt durch kritische JournalistInnen. Wahrheit finden ist dabei ein Prozess mit vielen Klippen. Was ergibt sich aus den Archiven, Akten und Nachlässen. Jede Evidenz braucht Bewertung zur Verlässlichkeit der Information, Beweise bzw. mögliche Interpretationen. Ein Satz von Philippe Sands (S.454) hatte mein besonderes soziologisches, kriminologisches Interesse geweckt: “Es ist wichtiger, den Schlächter zu verstehen als das Opfer”. Ob uns das bei der Prävention von neuerlichem Schrecken hilfreich sein kann, bleibt die große Frage. Grenzüberschreitungen und Antisemitismus sind wieder allgegenwärtig. Die Antwort darauf gibt’s nach Pfingsten. Frühzeitig Täter und ihre Steigbügelhalter zu identifizieren und zu verstehen, das praktizieren Andreas Busche und Hannes Soltau in ihrem Tagesspiegelartikel vom 2.5.2021 zu antidemokratischen Netzwerken.
Auswahl Handapparat für die Tage Klaus in Klausur.

Antisemitisch

In Berlin müssen wir 1000 antisemitische Vorfälle beklagen, alleine im Jahr 2020. Wie der “Tagesspiegel” auf der Titelseite (20.4.2021) meldet sind das fast 3x pro Tag eine Diffamierung, Beschimpfung oder Bedrohung. Warnungen in Sonntagsreden reichen da schon lange nicht mehr aus. Gut, dass da wo das Übel wächst auch die Unterstützung wächst.  Geltende Gesetze gegen Hetze konsequent anzuwenden, ist eine naheliegende und wirkungsvolle Art und Weise zu reagieren. Prävention, das heißt Aufklärung über historische Tatsachen und aktuelle Straftaten eine wichtige Funktion der Medien. Da findet sich sehr viel Gutes jetzt im Netz. Peter Schäfer hat mit seinem Werk “Kurze Geschichte des Antisemitismus” eine wegweisende Darstellung und historischen Überblick mit zahlreichen Originalzitaten zusammengestellt. “Das Buch ist groß in seiner Kürze”, schreibt Gustav Seibt in der Süddeutschen.  Dennoch braucht das Lesen viel Aufmerksamkeit und Bedenkzeit, denn es wird an vielen Überzeugungen von beispielsweise Christen gerüttelt. So wird im Glaubensbekenntnis (seit dem 1 Konzil 325 in Nizäa) eine mögliche Brücke zum Judentum abgebrochen (S. 84ff), da Jesus als eines Wesens mit dem Vater gleichgesetzt wurde (de substantia patris). Wie tief Antisemitismus verwurzelt sein kann, ging mir durch diese Lektüre der ersten Kapitel des Buches erst auf. Wichtig ist der interreligiöse Dialog hierbei. Aufstehen gegen den Antisemitismus müssen aber die jeweilige Mehrheitsgesellschaft. Jede Demokratie lebt gerade von ihrem aktiv eintretenden Minderheitenschutz, im Gegensatz zu autoritären Regimen. Antisemitisches Verhalten hat sich einem Virus vergleichbar erneut ausgebreitet, leider mit ständig neuen Varianten des Corona-Virus vergleichbar. Leugner, von einem wie dem anderen, scheinen sich ebenfalls der gleichen Muster zu bedienen. Dem müssen wir Entsprechendes dagegenhalten.

Kalt in Schweden

Alter Schwede, es ist kalt geworden in Schweden. Ganze Generationen von Studenten der Sozialwissenschaft wurden mit dem skandinavischen Modell des Wohlfahrtsstaates traktiert. Neue Zahlen von Eurostat zeigen das Auseinandertriften des skandinavischen Modells. Sweden setzt sich mit liberaler Regierung seit Jahren ab von der historisch gewachsenen skandinavischen Zugehörigkeit. Warum macht das die Finanzpresse zu einer Top-Data-Info auf ihrer Titelseite. Es wirft viel etabliertes Wissen über den Haufen. Gepaart mit Daten zu Todesfällen durch Covid-19 (von JHU pro 100.000) in Skandinavien ist klar, dass sich für Schweden ein Quantensprung ereignet hat, weg vom sozialdemokratischen Wohlfahrtsstaat hin zum liberal-konservativen Modell englischer Prägung. Das tut weh. Vorbei die Zeiten für Pilgerreisen nach Schweden zu starkem öffentlichen Sektor mit Bibliotheken als Kathedralen für Bildungsgleichheit und Ansprüchen an Chancengleichheit und solidem sozialem Sicherheitsnetz. Jetzt heisst es schwedischer Sozialstaat für Schweden. Bitte rasch die Vorlesungsnotizen anpassen, damit der Etikettenschwindel sich nicht fortsetzt. 

 

Masculinities

The exhibition of photos and film on “masculinities,liberation through photography” is an excellent example of how artistic approaches to central social phenomena enrich our understanding. The collection of images on masculinities enlightens and reveals the social construction of masculinity. All persons interested in such basic questions should grab the opportunity to pay a visit to the Barbican Centre in London until May 2020 (Later also in Berlin). Perfect choice of a location as the Barbican Centre represents a fine example of “brutal architecture” in London. This is already worth a visit for those not familiar with such concepts. Prepare to get lost somewhere in the multitude of cultural offerings. It feels like Centre Pompidou in Paris, but has additionally a splendid concert hall.

Depending on the time and location of our upbringing we are subject to different social constructions of masculinity. Browse through family collections of photos from grand fathers, fathers and your own youth and maybe your children. From the perspective of how masculinity has been framed at different epochs and across continents, it is obvious that masculinity just as feminity are constructed by social discourse, social choices and media representations. Make it a choice – nowadays – yes we can !
Read on with a critic published in “The Guardian” or “The Sunday Times“.

masculinity

Sprachpolitik

Auf der internationalen Industriemesse in Hannover #HM19 wurde auf dem Pioneer Summit am 2.4.2019 wieder überraschend viel Deutsch gesprochen. Dem EU-Kommissar Öttinger auf Deutsch zuzuhören ist erfreulicher als auf Englisch. Der Vortrag von Klaus Helmrich, immerhin Mitglied des Vorstands der Siemens AG auf Deutsch zu folgen, ebenfalls bereichernd.  Der unglückliche englischsprachige Titel “Thinking industry further!” kann man sich mit Industrie weiterdenken zurecht reimen. Genauer war dann der Untertitel: “Die nächste Stufe des Digital Enterprise”. Von “Made in Germany” sind wir längst zu “engineered in Germany” übergegangen. Aber das war Industrie 3.0. Bei der Industrie 4.x spielen vernetzte Standorte der Produktion, Entwicklung und Kunden eine zentrale Rolle. Sprachpolitik kann hierbei zu einem kleinen und bescheidenem Sicherheitsvorteil werden. Übersetzungsfehler von Längenmaßen (inch in centimeter) oder anderen Details verursachen kostspielige “Engineering Disaster” wohl auch bei AIRBUS industries aufgetreten.

Einigen Diplomaten und Journalisten zufolge wird selbst in der EU Kommission seit dem Brexit-Votum bereits mehr in anderen Muttersprachen geplaudert,  zumindest in den Kaffeepausen. Willkommen in der alten, Neuen Vielfalt. Sprachen und Kulturen Verstehen lernen lohnt sich wieder.

Bild von Victor Vasarely copyright http://www.fondationvasarely.org/ mehr Informationen zur Person  https://de.wikipedia.org/wiki/Victor_Vasarely
Ausstellung noch bis 6.5.2019 im  Centre Pompidou 

 

737 Max 8 and Science

The 346 persons who died in crashes of the fairly new airplanes of Boeing 737 Max have nothing to gain from the ex-post evaluation of the crash. The journal “Scientific American” published an interview with a former Boeing employee who puts a relationship of the two crashes into doubt. The article in the online version of the 13th of March by Mrs. Gohd is full of stereotypes rather than scientific information. This puts science or science journalism into a bad light. Please read for yourself (Link here).
Let’s wait for the black box to be read! and then judge, but not wait for further casualties please. The “precautionary principle“, to protect persons from harm for example by introducing not suffienctly testes new technology, makes a lot of sense in the aviation industry. That’s why the EU might be slower in the adoption of some innovations, but is more likely to avoid fatal accidents as a consequence of hasty innovation.

Rodin’s famous sculpture sums up the need and grief to think twice before you act. Mourning of the dead due to neglect of sufficient thought prior to action included. At least, this is  my modern interpretation of this piece of art with respect to responsibility and the precautionary principle.
(Foto taken in Stockholm, Prince Eugen’s Waldemarsudde  art museum).

Nobel prize museum

The visit to the splendid Nobel museum in Stockholm is of course a highlight for all scientists. Even if the social sciences including economics do not get awarded an official Nobel prize. More impressions of Stockholm here.

The Nobel prize for peace was awarded to Martin Luther King, but one of the persons he most admired Mahatma Gandhi never received the prize, or not in time before being shot.

… and some like songwriter Bob Dylan (not Dylan Thomas) received the Nobel prize 2016 for literature, most likely to give the Nobel prize a more popular image. Without intonation the poems sound rather flat and do not stand up easily against other previous awardees like Patrick Modiano 2014 or Herta Müller 2009.

Useful sources for further investigations are:
https://www.nobelprize.org/prizes/lists/all-nobel-prizes-in-literature/  or
https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_Nobel_laureates_in_Literature  , which also contains some enlightening overview statistics (male/female; languages) of laureates.