Finding Freedom

Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom Februar 2020 nimmt die Diskussion um Sterbehilfe in Deutschland wieder Fahrt auf. Die Mediananstalten (ARD, ZDF) und die Presse (Spiegel) berichteten recht ausführlich. Mit einem Vergleich zu Belgien und den Niederlanden lässt sich recht gut einsteigen in die überfällige Diskussion in Deutschland. Der Deutschlandfunk hat dazu ergänzend eine interessante kleine Sendereihe mit Positionen der großen Religionen produziert. Zum Beispiel der Buddhismus wird hier erläutert. Die jüdische Position findet sich ebenso zum Nachlesen oder Nachhören. Stärkere Ablehnung der Sterbehilfe findet sich im Islam und den beiden großen christlichen Strömungen (evangelisch, katholisch), wohl nicht nur in Deutschland. Jack Kornfield‘s Buch “Das weise Herz” nähert sich in Teil IV “Freiheit finden” und darin dem Kapitel 16 “Leiden und Loslassen” (S. 339ff.) der weisen Lebensstrategie des Loslassens und dem Lernen des Loslassens. Diese Lebensphilosophie endet aber gerade nicht in dem finalen Loslassen, sondern in einem eher lebensbejahenden Ablassen vom Leiden. Ein feiner, aber gravierender Unterschied. Das menschliche Leben ist ein edles Geschenk verglichen mit der Vielzahl der anderen möglichen Wiedergeburten aus dieser Perspektive. Wir dürfen es achtsam seine Früchte entfalten lassen und andere auf ihren Wegen begleiten. Kein einfacher Weg, keine einfache Zielsetzung. Demokratische Willensbildung verlangt gesellschaftsweite Diskussionen zum Thema. Jede/r mit sich selbst und alle gemeinsam. Einen interdisziplären Einstieg (englisch oder französisch) bieten auch die Diskussionen des Mönchs, des Philosphen und Psychiaters zum Thema Weisheit.

Sprachpolitik

Auf der internationalen Industriemesse in Hannover #HM19 wurde auf dem Pioneer Summit am 2.4.2019 wieder überraschend viel Deutsch gesprochen. Dem EU-Kommissar Öttinger auf Deutsch zuzuhören ist erfreulicher als auf Englisch. Der Vortrag von Klaus Helmrich, immerhin Mitglied des Vorstands der Siemens AG auf Deutsch zu folgen, ebenfalls bereichernd.  Der unglückliche englischsprachige Titel “Thinking industry further!” kann man sich mit Industrie weiterdenken zurecht reimen. Genauer war dann der Untertitel: “Die nächste Stufe des Digital Enterprise”. Von “Made in Germany” sind wir längst zu “engineered in Germany” übergegangen. Aber das war Industrie 3.0. Bei der Industrie 4.x spielen vernetzte Standorte der Produktion, Entwicklung und Kunden eine zentrale Rolle. Sprachpolitik kann hierbei zu einem kleinen und bescheidenem Sicherheitsvorteil werden. Übersetzungsfehler von Längenmaßen (inch in centimeter) oder anderen Details verursachen kostspielige “Engineering Disaster” wohl auch bei AIRBUS industries aufgetreten.

Einigen Diplomaten und Journalisten zufolge wird selbst in der EU Kommission seit dem Brexit-Votum bereits mehr in anderen Muttersprachen geplaudert,  zumindest in den Kaffeepausen. Willkommen in der alten, Neuen Vielfalt. Sprachen und Kulturen Verstehen lernen lohnt sich wieder.

Bild von Victor Vasarely copyright http://www.fondationvasarely.org/ mehr Informationen zur Person  https://de.wikipedia.org/wiki/Victor_Vasarely
Ausstellung noch bis 6.5.2019 im  Centre Pompidou