Geister

“ Herr, die Not ist groß!/ Die ich rief, die Geister/ werd ich nun nicht los.“ Dieses Zitat aus dem Zauberlehrling von Goethe aus dem Jahr 1797 könnte im Juli 2023 von Putin ausgerufen worden sein. Als der von ihm geförderte und üppig finanzierte Chef der Wagner-Armee Prigoschin plötzlich auf Moskau losmarschierte. So sehen das viele Analysten zu Beginn des scheinbaren Angriffs auf Moskau eigener Söldnertruppen. Frei nach Goethe fragen wir uns also: Wer und Wo ist der Meister? Wer ist hier der Zauberlehrling? Aber schon Goethe hat seine Ballade rasch und ohne Überraschung aufgelöst. „In die Ecke, Besen, Besen! Seids gewesen. Denn als Geister ruft euch nur zu seinem Zwecke, erst hervor der alte Meister.“ So entpuppt sich am Ende Putin wohl als der Meister und Progoschin „nur“ als sein Zauberlehrling.
Das ist nicht die herrschende Meinung der Redakteure und Editorialisten (Süddeutsche, LeMonde). Literatur der Romantik sollte besser aus der Tagespolitik herausgehalten werden. Weit gefehlt. Sie weitet den Blick auf Herrschende, meist Autokraten, und ihre tragischen Lebensverläufe.
Jetzt mal eine ernsthafte Vision(?) eines Politikberaters. Da die Mission von Prigoschin mit Unterstützung oder angeordnet von Putin in Butcha als abgeschlossen galt, und das Staatsheer diese Aufgabe übernommen hatte, wäre Prigoschin arbeitslos geworden. Den treuen Chefkoch Prigoschin aus St. Petersburger Zeiten, der Putin in seinen Restaurants schon hätte vergiften können, hat seinem Meister vorgeschlagen, Putins faktischen Schutz vor einem Anschlag oder einer militärischen Einsatzgruppe zu testen.
Militärisch gesprochen, läuft das entweder unter einer „false flag attack“, eines mit russischer Flagge getarnten Angriffs, oder einer „white flag attack“, dem Vorspiegeln einer geschützten friedlichen Mission (vgl. trojanisches Pferd).
Aus der Sprache der Börsianer kennen wir ebenfalls die „weiße Ritter“ Attacken. Dabei versucht ein anderes Unternehmen, eine InvestorIn oder eine im Hintergrund agierende Person (Progoschin), eine feindliche Übernahme eines Unternehmens zu verhindern. Dabei sind Mehrheitsbeteiligungen am Zielunternehmen oder Fusionsangebote die gewollte Lösung und Abwendung der feindlichen Übernahme.
Im Internetzeitalter kennen wir die bezahlten Hacker, die eine Webseite eines Unternehmens oder Behörde auf Schwachstellen testen und damit Datenschutz, Erpressung und Ausfälle vermeiden helfen.
Klingt alles kompliziert, ist es aber nicht. Es ist einfach Teil des modernen Arsenals von Strategen à la Clausewitz. Schachspielen mit echten Söldnern ist grausam und kostet echte Menschenleben für den Machterhalt. Der militärische Probealarm wurde getestet und der Schutz um Putin, den Meister mit seinem Zauberbesen kann verbessert werden. Sein Zauberlehrling Prigorschin ist wohl vielleicht sogar vom Springer (Schachfigur) in einen Turm eingetauscht worden. Vielleicht ist er aber schon längst die Dame an der Seite des Königs oder eben einer der Geister im Umfeld von Putin.

 

Über Clausewitz1

„Sur Clausewitz“ von Raymond Aron (1987) eröffnet die Perspektive auf das Gedankengebäude, Gedankenexperimente, Paradigmen und Theorien des Krieges. Aron beginnt seinen Vortrag 1980 in Berlin mit dem bekannten, markanten Satz von Clausewitz: Der Krieg ist die Fortsetzung von Politik mit anderen Mitteln (S.14). Gescheiterte Diplomatie führt dann zur Steigerung der Gewalttätigkeiten. Wichtig ist seine Sicht auf Clausewitz als „théoricien de la guérilla, de l’insurrection populaire“ S.19. Der Begriff der Volksbewaffnung“, den Aron zitiert, haben wir erneut in der Bewaffnung von Personen in der Ukraine beobachten können. Aron hebt in seiner „analyse clausewitzienne“ hervor, dass es nach Clausewitz im Krieg nicht um Siegen geht, sondern um das Erreichen von bestimmten Zielen (S. 33). Siege sind Teil einer Taktik, nicht aber von strategischen Zielen. Das verdeutlicht die rationale Sicht auf Ergebnisse, Einsätze, Verluste und die Zeiten, vor, während sowie nach dem Krieg. Diese rationale Sicht auf Krieg ist erschreckend nüchtern, da Menschenleben nicht emotional in das Kalkül eingehen. Vergangene Kriege werden zur Konstruktion der Theorie verwendet und spätere Autoren wie Raymond Aron verwenden die Theorie zur Subsumierung und Erklärung der verwendeten Strategien späterer Kriege. Eine der überraschend anmutenden Folgerungen von Clausewitz ist beispielsweise die Überlegenheit der Verteidigung gegenüber einem Angriffskrieg. Dieser besteht darin, sich nach anfänglichem Rückzug die Orte der Kämpfe „wählen“ zu können. Zusammengenommen mit der Bewaffnung der Bevölkerung lässt sich im Krieg in der Ukraine, die Möglichkeiten der Verteidigung umreißen. Ein überraschendes Hinauszögern des Krieges ist vielleicht ein kleiner Sieg, es geht aber um die Erreichung von übergeordneten Zielen auf beiden Seiten. Was diese Ziele sind, bleibt zunächst verborgen und ist mehr im Politischen als im Militärischen zu suchen. Russische Innenpolitik, Machterhalt der Militäreliten auf der einen Seite, westliche Anbindung und Unterstützung auf Seiten der Ukraine. So könnte eine „realpolitische Analyse Clausewitzienne“ aussehen. Nüchtern, wie auf einem Schachbrett, eventuell versteckten Regeln folgend, die mit symbolischen Aktionen taktiert, oft die wirklichen Ziele verbergend. Auszug aus Le Monde vom 18.3.2022 ergänzt die Analyse.

Wendepunkt

Die Statistik zu #Covid-19 Impfungen zeigt erstmals mehr #Impfungen als Infektionen laut @FinancialTimes weltweit. Sicherlich ein Wendepunkt, wenn auch nur ein momentaner Wendepunkt. Das Virus mutiert und die Infektionen in bevölkerungsreichen Ländern sind noch nicht kontrolliert. Wir sind dankbar für jeden Hoffnungsschimmer, besonders die Finanzwelt feiert dann wohl schon wieder historische Höchststände. Dabei geht der Wettlauf mit dem Virus weiter https://schoemann.org/covid19-eu-variationhttps://schoemann.org/covid19-eu-variation

FT 4.2.2021

Covid19 EU Variation

Virusvariationen sind eine bekannte Strategie von Viren, ihr Überleben und ihre Verbreitung zu sichern. Diese von uns längst durchschaute Strategie kennen wir und sollten uns darauf vorbereiten. Wir bedienen uns im Management der gleichen Strategie (siehe Blogeintrag vom 17.3.2020 https://schoemann.org/kaizen) in kontinuierlichen Verbesserungsprozessen. Am 30.10.2020 finden wir in einem Financial Times Artikel erneut Bestätigung, wir befinden uns in einem „tödlichen Strategiespiel“ im mathematischen spieltheoretischen Sinne. Machen wir es dem Virus schwerer,  Drinnenbleiben, Maske auf und häufig Desinfizieren. So werden wir das Virus Schachmatt setzen. Einen Impfstoff wird es erst demnächst geben. Bis dahin bleibt uns eine spielentscheidende Strategie weniger uns es gilt „flatten the Curve “.